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Luschnik: Stammtisch? „War ich leider länger nicht mehr“

Robert Luschnik organisiert für Eva Glawischnig nun die grüne Bundespartei.
Robert Luschnik organisiert für Eva Glawischnig nun die grüne Bundespartei.(c) Clemens Fabry
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Neo-Parteimanager Robert Luschnik sieht keinen grünen Richtungsstreit, will die Partei noch breiter aufstellen und legt den Fokus stärker auf Frauen und Junge.

Die Presse: Wann waren Sie das letzte Mal an einem Stammtisch?

Robert Luschnik: An einem Stammtisch war ich leider länger nicht mehr – weil ich als Jurist mit der Bearbeitung rechtlicher Angelegenheiten in der Van-der-Bellen-Kampagne ausgelastet war.

 

Peter Pilz forderte, die Grünen müssten zu den Stammtischen, Eva Glawischnig konterte: Pilz hätte vom (Van der Bellen-)Wahlkampf nichts mitbekommen.

In Wien haben die Grünen bei der Mariahilfer Straße (vor der Befragung über eine Neugestaltung, Anm.) 100.000 Haushalte besucht, sind von Tür zu Tür gegangen. Wir haben genug Beispiele auch in der Kampagne für Alexander Van der Bellen. Tausende haben sich freiwillig engagiert, das ist ein guter Weg, den wir weitergehen können.

 

Ihr Vorgänger Stefan Wallner hat eine thematische Verbreiterung begonnen. Wohin führt Ihr Weg?

Der Weg, den wir vor einigen Jahren begonnen haben, ist richtig. Wir haben uns thematisch verbreitert, wir haben eine Professionalisierung bei unseren Kampagnen erreicht. Das ist Stefan Wallner zu verdanken.

 

Ihm wurde vorgeworfen, autoritär zu sein, Begriffe wie Kommandopartei fielen. Werden Sie diesen Weg fortführen?

Stefan Wallner hat mit den Wahlerfolgen in den vergangenen Jahren bewiesen, dass es ein richtiger Weg ist. Ich möchte einen Teil davon auch für mich in Anspruch nehmen, nachdem ich bei fünf Regierungsverhandlungen dabei war und wir nun auch in diesen Landesregierungen sitzen. Ich bin ein anderer Typ als mein Vorgänger, aber in der Sache bei ihm.

 

Es wird von Ihnen weiterhin ein einheitliches Auftreten von der Bundespartei bis zu den Bezirksparteien vorgegeben?

Das ist mit Sicherheit ein erfolgreicher Weg. Niemand differenziert zwischen den Aussagen der Bundes-, Landes- oder Bezirksgrünen. Es gibt nur ein grünes Projekt.

 

Wallner hat einen strikten Kurs geführt und diesen entsprechend durchgesetzt. Drohen nach seinem Abgang nun Fraktionskämpfe – Stichwort Peter Pilz?

Wir haben über ein Jahr lang einen Diskussionsprozess geführt, wie die Linie der Grünen aussehen soll. Es wurde einstimmig entschieden, das wird breit mitgetragen.

 

Sie wollen die Grünen thematisch weiter verbreitern. Wohin?

Wir wollen uns noch mehr um die Frauen und die Jungen kümmern. Das ist ein Potenzial.

 

Junge unter 20 sollen so stark an die Partei gebunden werden, dass sie Stammwähler werden?

Wir wollen aufzeigen, welche Verbesserungen es gibt, wenn Grüne in einer Landesregierung sind. Das geht in alle Zielgruppen – von Kinderbetreuung bis zur Nahversorgung. Dort, wo die FPÖ in der Landesregierung ist, z. B. in Oberösterreich, wird dagegen die Mindestsicherung gekürzt.

 

Eine breite Allianz hat Alexander Van der Bellen mit rund 54 Prozent in die Hofburg gebracht. Wie wollen Sie diese Menschen an die Grünen binden?

Der Schlüssel bei der erfolgreichen Kampagne war die Mobilisierung. Diese Menschen sind hoch politisiert. Ihr Ziel war, dass es keinen blauen Präsidenten und künftig keine blaue Regierungsbeteiligung gibt. Diese Menschen möchten wir einladen. Denn Sebastian Kurz (ÖVP) will Kanzler einer schwarz-blauen Koalition werden. Die SPÖ hat Rot-Blau im Burgenland, will sich auch im Bund der FPÖ öffnen.

 

Die Grünen werden eine FPÖ-Regierungsbeteiligung nicht verhindern können – außer, Sie bereiten schon Rot-Grün-Neos vor.

Da sind wir weit davon entfernt. Jetzt geht es um Überzeugungsarbeit, warum man die Grünen wählen soll. Die Richtungsentscheidung (bei der Nationalratswahl, Anm.) ist, ob die FPÖ Rot-Schwarz weiter vor sich hertreibt oder es dann eine grüne Handschrift gibt.

 

Glauben Sie, dass die Nationalratswahl 2018 vorverlegt wird?

Wir wissen nicht, wann gewählt wird. Aber wir sind bereit dafür.

ZUR PERSON

Robert Luschnik (49) wurde am Freitag vom erweiterten Bundesvorstand der Grünen einstimmig zum neuen Bundesgeschäftsführer gewählt. Er folgt Stefan Wallner nach, der sich zurückgezogen hat. Luschnik war vor seiner Kür zum Parteimanager grüner Klubdirektor im Parlament. Dort fiel der Jurist mit der musikalischen Ader auch als Fußballer des FC Nationalrat auf. Mit seinem Torinstinkt als Sturmspitze soll er für die Grünen nun auch politisch treffen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.12.2016)