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Wiener Radverkehr: Die neuen Wege in die Stadt

(c) Clemens Fabry
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Mit dem nächsten Radweg Getreidemarkt wird heuer ein Streit-Projekt umgesetzt. Auch in Döbling wird gegen eine neue Einbahn plus Radweg heftig protestiert.

Wien. Aktuell könnte man, würde man sämtliche „Radverkehrsanlagen“ Wiens abfahren, 1346 Kilometer auf Radwegen, Radverkehrsstreifen, Mehrzweckstreifen oder Fahrradstraßen zurücklegen – das entspricht in etwa der Strecke von Wien nach Neapel. Im Vergleich dazu sind Ausbauprojekte, die heuer anstehen, natürlich von minimaler Länge: Und dennoch, teils, sorgen die – vor allem der Getreidemarkt oder die geplante Einbahn in der Peter-Jordan-Straße – für heftige Debatten.

Streitfall I: Der gordische Knoten Getreidemarkt

Das Highlight des diesjährigen Ausbauprogramms ist ein Nadelöhr, über das zuvor Jahre diskutiert wurde: Nachdem 2016 der Radweg von der Lehargasse hinunter zur Rechten Wienzeile gebaut wurde, ist heuer das Stück zwischen Mariahilfer Straße und Lehargasse (2) an der Reihe – und auch in der Gegenrichtung kommt ein Radweg zwischen Gauermanngasse und Babenberger Straße (3). Außerdem entstehen neue, ampelgeregelte Zebrastreifen und Radfahrerüberfahrten auf Höhe der TU. Der Getreidemarkt wird für Radfahrer sicherer, den Autoverkehr schränkt das klar ein, wie ÖAMTC, FPÖ und ÖVP kritisieren. „,Mit der Reduktion auf zwei Fahrspuren ist Stau-Chaos vorprogrammiert“, sagt ÖVP Wien-Klubobmann Manfred Juraczka. Allerdings, das Projekt wurde bereits im Verkehrsausschuss beschlossen, gebaut werden die beiden Radverkehrsanlagen von Anfang Juli bis Ende August.

Streitfall II: Die Einbahn und neuer Radweg in der Peter-Jordan-Straße

Im zweiten Streitfall dieser Saison dürfte das letzte Wort noch nicht gesprochen sein, denn in Döbling gibt es massive Proteste: Hier soll in der Peter-Jordan-Straße, vom Lineeplatz (14) stadteinwärts bis zur Billrothstraße, stadteinwärts eine Einbahnregelung kommen, damit Platz für einen Radweg ist. Im Ressort von Verkehrsstadträtin Maria Vassilakous spricht man von einem „Lückenschluss im Hauptradwegenetz“ zwischen Boku und Spittelau. Anrainer, ÖAMTC und Wiener Linien sehen das kritisch. Daniel Resch (ÖVP), Stellvertreter von Bezirkschef Adi Tiller, spricht von einem drohenden Verkehrskollaps, schließlich würden Autofahrer ins Cottageviertel ausweichen.

Der Bezirk hat nun einen Brief an 600 Anrainer geschickt, in wenigen Tagen, so Resch, seien hunderte Protestschreiben zurückgekommen. Die ÖVP schlägt nun vor, den Radweg auf den breiten Gehweg zu verlegen. Der Bezirk hat darauf allerdings an sich keinen Einfluss. Im im Rathaus gilt die Einbahn als fix beschlossen, allerdings, angesichts der massiven Einwände könnte diese überdacht werden, heißt es.

Lückenschluss: Arsenalstraße, Schweglerstraße, Kaisermühlenstraße

Auch auf unumstritteneren Strecken stehen diese Saison Projekte an: In der Arsenalstraße (1) etwa entsteht zwischen Ghegastraße und Hüttenbrennergasse ein Gehweg und beiderseits ein Radfahrstreifen, damit entsteht eine durchgängige Verbindung zwischen Wiedner Gürtel und Hüttenbrennergasse. Vorgesehen ist eine Fortführung der Radverkehrsanlage bis zum Gräßlplatz. In der Schweglerstraße (10) wurde von Felberstraße bis Märzstraße bereits 2016 eine Radverkehrsanlage errichtet. Heuer wird diese von Märzstraße bis Guntherstraße erweitert. In der Kaisermühlenstraße (20) kommt zwischen Mühlwasserstraße und Neuhaufenstraße ein von der Fahrbahn getrennter Geh- und Radweg.

(c) Die Presse

Die Highways in die Stadt: Kuchelauer Hafenstraße, Flötzersteig

Die Kuchelauer Hafenstraße (13) (von Nummer 2 zur Eisenbahnkreuzung) ist schon eine Fahrradstraße, nun soll diese auch von der Eisenbahnkreuzung bis zur Landesgrenze Niederösterreich erweitert werden, der Auto- und Lkw-Verkehr soll dann über die Heiligenstädter Straße geführt werden, in der Kuchelauer Hafenstraße wären nur mehr Zu- und Abfahrten zugelassen. Ein weiteres Projekt, um Rad-Pendeln aus den äußeren Bezirken in die Stadt zu erleichtern: Am Flötzersteig (7) als einer zentralen Verbindung vom Westen in die Stadt entsteht ein Mehrzweckstreifen.

Übrige Projekte: Wattgasse, Ameisgasse bis zur Breitenleer Straße

Auch im übrigen Stadtgebiet sind zahlreiche Radwege und Fahrradstreifen geplant – in Summe stehen heuer 20 Projekte am Plan (siehe Grafik): Etwa in Penzing in der Ameisgasse (6), in der Karlingergasse (8) oder der Keißlergasse (9).

In der Wattgasse entsteht ein Radweg zwischen Hernalser Hauptstraße und Richthausenstraße (12). Und auch in der Breitenleer Straße (17, 18), entstehen ebenfalls Radfahrstreifen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.03.2017)