Islam legt in Österreich stark zu

Muslimische Frauen in Wien
Muslimische Frauen in Wien(c) imago

Der Integrationsfonds schätzt die Zahl der Muslime auf rund 700.000, das sind etwa acht Prozent der Bevölkerung. Noch rund 60 Prozent der Menschen sind katholisch.

Wien. Die Zahl der Muslime in Österreich steigt – und das recht schnell. In der jüngsten Schätzung des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) ist bereits von rund 700.000 Menschen die Rede. Im Innenministerium, das bisher von 600.000 Muslimen ausgegangen ist, hält man diese Zahl für realistisch. Verantwortlich für die Steigerung seien demnach Flüchtlinge, Migranten und Geburten von Kindern muslimischer Eltern.

Tatsächlich ist man in Österreich auf Schätzungen angewiesen, die jüngste tatsächlich erhobene Zahl stammt aus der Volkszählung 2001, damals gab es 346.000 Muslime. Mittlerweile hat die Statistik Austria das Instrument der Volkszählung durch die Registerzählung ersetzt – es werden also keine Fragebogen ausgefüllt, sondern man greift auf bestehende Daten, etwa das Melderegister, zurück. Das Religionsbekenntnis wird dabei nicht mehr erhoben.

Und hier beginnt die Krux, denn im Gegensatz etwa zur katholischen Kirche gibt es im Islam keine zentrale Institution, die eine Mitgliederliste aller Gläubigen führt. Bei der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), der Vertretung der Muslime, spricht man von etwa 500.000 Mitgliedern. Extra gezählt werden müssen auch die Aleviten, die eine eigene Glaubensgemeinschaft haben – ihre Zahl wird auf bis zu 80.000 geschätzt. Um eine konkrete Zahl der Muslime zu nennen, müssen also bekannte Daten fortgeschrieben und mit anderen Zahlen, etwa Zuwanderungsstatistiken, angereichert werden.

 

5,16 Millionen Katholiken

Auch wenn die Zahl der Muslime in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat, sind Katholiken mit Abstand die stärkste Religionsgruppe im Land. Von 8.774.786 in Österreich lebenden Menschen – In- und Ausländer – sind 5,16 Millionen katholisch, das sind knapp 59 Prozent. Muslime machen laut den vorliegenden Schätzungen etwa acht Prozent der Bevölkerung aus. Die verschiedenen orthodoxen Kirchen haben etwa 500.000 Zugehörige. Die evangelischen Kirchen hatten zuletzt 302.964 Mitglieder. Die Zahl der Juden liegt bei etwa 15.000. (eko)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.04.2017)