Klassik

"Pelléas et Mélisande": Hier toben die Emotionen im Flüsterton

FOTOPROBE: 'PELLEAS ET MELISANDE' IN DER STAATSOPER
Olga Bezsmertna als Mélisande, Adrian Eröd als PelléasAPA/HANS KLAUS TECHT
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Staatsopern-Premiere wie aus dem Musiktheaterbilderbuch: „Pelléas et Mélisande“, inszeniert von Marco Arturo Marelli, dirigiert von Alain Altinoglu, in exquisiter Besetzung.

Im Normalfall würde das einer Premiere den Todesstoß versetzen: Während der Überleitung zum vorletzten Bild des dritten Aktes blieb der Zwischenvorhang stecken. Doch diesmal war die Spannung bereits dermaßen hoch, dass die kurze Unterbrechung die Stimmung nicht beeinträchtigen konnte. Man saß in einer der aufregendsten Premieren in der jüngeren Geschichte der Wiener Staatsoper. Und das bei einem Stück, das in der Regel als eher langweilig gilt. Doch Alain Altinoglu, Regisseur Marco Arturo Marelli und eine absolute Traumbesetzung machten Debussys „Pelléas et Mélisande“ zum Musiktheaterereignis.

Die Charakterbilder sind archetypisch. Simon Keenlyside als Golaud wird vom verirrten Jäger, der eine zauberisch-rätselhafte Nymphe im Wald aufspürt und zu seiner Frau macht, zum Getriebenen seiner Eifersucht. Weil sich auch Halbbruder Pelléas in Mélisande verliebt, weil er mit allen Mitteln versucht, herauszufinden, wie weit diese verbotene Beziehung geht, weil aber dieses Stück immer nur aus Andeutungen, Vermutungen, Ahnungen besteht, weil es niemals Gewissheit gibt, wird der Ehemann zum Brudermörder. Seelische Zerrüttung, die mit körperlichem Verfall einhergeht, wird bei Keenlyside zum klinischen Theaterbefund: Mehr und mehr verwandelt sich Zweifel in ausweglose Verzweiflung. Man kann es sehen. Man kann es hören. An diesem Abend feiern Musik und Theater ihre oft beschworene, selten erreichte Hochzeit.


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