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Der Präsident und sein Faible für die Generäle

John Kelly
John KellyAPA/AFP/SAUL LOEB
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Schlüsselposition für John Kelly – neben Pentagon-Chef Mattis und Sicherheitsberater McMaster.

Zum Memorial Day Ende Mai, an dem die Nation ihre gefallenen Soldaten ehrt, begleitete der Präsident den Heimatschutzminister auf den Heldenfriedhof Arlington, vis-à-vis von Washington. Für John Kelly hatte dies einen besonderen Stellenwert. Hier liegt sein Sohn Robert begraben, der vor sieben Jahren bei einem Einsatz im Afghanistan-Krieg ums Leben gekommen war. Donald Trump war mit Vizepräsident Mike Pence gekommen. Er drückte seinen Minister, auf den er große Stücke hält, in inniger Umarmung.

Der Präsident zelebriert seine Auftritte vor Soldaten – mehr als jeder seiner Vorgänger seit Ronald Reagan. Seit er von seinem Vater als verhaltensauffälliger, aggressiver Teenager in ein berüchtigt strenges Militärinternat in Upstate New York, in der Nähe der Militärakademie West Point, gesteckt wurde, hegt er ein geradezu kindliches Faible für die Männer in Uniform. Mit Begeisterung und Stolz spricht er denn auch von „meinen Generälen“.


Ein neues Machtzentrum. Es ist also kein Zufall, dass Trump gleich drei Topmilitärs in Schlüsselpositionen berief: James Mattis alias „Mad Dog“ als Verteidigungsminister, H.R. McMaster als Nachfolger des nach 21 Tagen aus dem Amt geschiedenen Exgenerals Michael Flynn als nationalen Sicherheitsberater und Kelly als Heimatschutzminister, der in der jüngsten Rochade zum Stabschef avancierte.

Alle drei Exgeneräle sind freundschaftlich miteinander verbunden, Kelly hat im Irak-Krieg unter dem Oberkommando von Mattis gedient. Die strategisch geschulten Militärs könnten nun ein neues Machtzentrum in Washington bilden, eine Achse zwischen dem Weißen Haus und dem Pentagon. Vor allem durch die Kooperation zwischen Kelly und McMaster, beide im West Wing angesiedelt, könnte ihr Einfluss wachsen – wie selten zuvor in Washington. Ein enger Freund Kellys ist zudem Generalstabschef Joseph Dunford, der ihm 2010 die Nachricht vom Tod seines Sohns überbrachte.

Kelly hat sich als Kritiker der Antiterror-Strategie Obamas hervorgetan, als Oberkommandeur hatte er die Verantwortung für Guantánamo inne. Als Heimatschutzminister distanzierte er sich von Trumps Mauerplänen an Mexikos Grenze, und er tritt für einen harten Kurs gegen Moskau ein. Zugleich unterstützt er das umstrittene Reiseverbot für Muslime. Der 67-Jährige gilt als Straight Shooter, als einer, der unverblümt ausspricht, was er denkt.

Steckbrief

Geboren 1950 in Boston in eine irischstämmige Familie. Kelly schloss sich der Eliteeinheit der Marines an, wo er es bis zum Vier-Sterne-General brachte.

Im Irak-Krieg 2003 erwarb er sich Meriten. Im Jänner berief ihn Trump zum Heimatschutzminister.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.07.2017)