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Klassik

"Wozzeck" in Salzburg: Das Spiel vom Sterben des armen Mannes

SALZBURGER FESTSPIELE 2017 : FOTOPROBE WOZZECK
Im Bretterdickicht: Gerhard Siegel (Hauptmann), Matthias Goerne (Wozzeck), Jens Larsen (Doktor).APA/NEUMAYR/LEO
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Der Künstler William Kentridge inszeniert Alban Bergs "Wozzeck" bei den Salzburger Festspielen in einem kühnen Dickicht aus Trümmern und projizierten Bildern. Dirigent Vladimir Jurowski packt dazu virtuos orchestrale Farben und Effekte aus.

Das Bild zählt zu den starken Erfahrungen, die ein Theaterbesucher in seinem Leben machen kann. Sabine Theunissen hat es – wohl nach Entwürfen von William Kentridge – gebaut. Und es wirkt, als wären Zeit und Raum über Büchners „armen Leut'“ eingestürzt. Die Handlung blüht aus den Trümmern der Erinnerung an Schlafbaracken und schäbige Wirtshausbuden, finstere Stuben, in die nie ein Sonnenstrahl dringt, aber hie und da eine „Latern hereinscheint“.

In dem Dickicht aus wild durcheinander geworfenen Brettern und halb verfallenen Verschlägen, Sesseln, Tischplatten und Leitern können sich manchmal Kastentüren öffnen und den Blick freigeben auf klaustrophobiefördernde, mit Geräten vollgestopfte Studierkammern. Oder die Beleuchtung (von fantastischer Imaginationskraft: Urs Schönebaum) taucht das Szenario in ein Halbdunkel, dass die projizierten Kentridge-Skizzen mit dem Bühnen-Irrgarten zu Albtraumbildern verschmelzen, ein sinistrer Waldweg am Teich oder verstepptes Brachland, zugleich ein Blick in die sinistren, verödeten Seelenlandschaften der handelnden Figuren.