Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Friedensnobelpreis heuer für Anti-Atom-Kämpfer?

Irans Außenminister Mohammed Zarif und EU-Außenbeauftragte Mogherini: Kandidaten für den Friedensnobelpreis
Irans Außenminister Mohammed Zarif und EU-Außenbeauftragte Mogherini: Kandidaten für den FriedensnobelpreisAFP (JOHN THYS)
  • Drucken

Forscher sehen den Kampf gegen Nuklearwaffen in diesem Jahr als das große Thema bei der Vergabe des Friedensnobelpreises.

In einer angespannten Weltlage wird am Freitag der Friedensnobelpreis vergeben. Ein Preis, der internationale Entwicklungen beeinflussen kann. In diesem Jahr könnte es um einen sehr aktuellen Konflikt gehen.

Man hat das Gefühl, es könne jederzeit eskalieren. Nordkorea testet Atomwaffen, will gar eine Wasserstoffbombe gezündet haben. US-Präsident Donald Trump demonstriert mit Kampfjets seine Macht. Auch der Iran spielt wieder mit den Muskeln und erprobt Raketen. Abrüstung und die Vision einer atomwaffenfreien Welt scheinen so weit entfernt wie zu Zeiten des Kalten Kriegs. In dieser angespannten Weltlage wird in der kommenden Woche der Friedensnobelpreis vergeben. Kann und wird die wohl wichtigste politische Auszeichnung ein Zeichen setzen gegen ein neues Aufrüsten?

Friedensforscher sehen den Kampf gegen Atomwaffen in diesem Jahr als das große Thema. "Es wäre angemessen, wenn der Preis an eine Gruppe oder eine Person ginge, die sich für nukleare Abrüstung einsetzt", sagt der Direktor des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri, Dan Smith. Die internationale Anti-Atomwaffenkampagne Ican könnte so ein Kandidat sein.

Der norwegischer Friedensforscher Henrik Urdal vom Prio-Institut hat die "Architekten" des Atomabkommens mit dem Iran ganz oben auf der Liste: Den iranischen Außenminister Mohammed Jawad Zarif und die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini. "Wir sind in einer Situation, in der die Anwendung von Atomwaffen nicht mehr nur eine theoretische Möglichkeit ist", betont Urdal. Die internationale Gesellschaft müsse dazu beitragen, die Entwicklung und Verbreitung von Atomwaffen zu begrenzen. "Es ist wichtig, dass Nordkorea sieht, dass das Abkommen mit dem Iran international honoriert wird."

Zarif und Mogherini hatten 2015 die 20 Monate langen Verhandlungen zu einem historischen Abkommen organisiert, mit dem Teheran auf die Entwicklung von Kernwaffen verzichtet. Alle Beteiligten - auch die USA - bescheinigen dem Iran bisher, die Vereinbarung einzuhalten. Doch Trump betont immer wieder, es sei der schlechteste Deal, den sein Land je unterschrieben habe.

Als der Iran am vergangenen Wochenende seine Mittelstreckenrakete zeigte, stellte der US-Präsident das Abkommen sofort infrage. "Der Iran hat gerade eine ballistische Rakete getestet, die in der Lage ist, Israel zu erreichen. Sie arbeiten auch mit Nordkorea zusammen. Mit unserem Abkommen ist es nicht weit her!", twitterte er. Auch in der UN-Generaldebatte hatte er mit dem Ende der Vereinbarung gedroht.

Gerade deshalb sei es jetzt so wichtig, die erfolgreichen Gespräche mit einem Preis zu würdigen, meint der norwegische Historiker Asle Sveen. "Ein Friedensnobelpreis würde es den USA viel schwieriger machen, sich aus der Vereinbarung rauszuziehen."

 

Auch Trump und Putin

Nominiert wurden die Kandidaten für den Friedensnobelpreis allerdings schon im Frühjahr - bevor die Spannungen zwischen Nordkorea und den USA so deutlich wurden. In diesem Jahr musste das fünfköpfige norwegische Nobelkomitee zwischen 215 Personen und 103 Organisationen wählen. Auch Donald Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin sind darunter - neben Papst Franziskus und den syrischen Weißhelmen, die schon im vergangenen Jahr als heiße Kandidaten galten.

Kristian Harpviken, Urdals Vorgänger als Prio-Direktor, setzte auf seiner im Frühjahr veröffentlichten Liste möglicher Preisträger die amerikanische Bürgerrechtsorganisation ACLU ganz nach oben. Sie hatte Trump wegen seiner Einreiseregelung für Ausländer vor Gericht attackiert, setzt sich für Meinungsfreiheit, gegen Todesstrafe und Polizeigewalt ein. Immer wieder wird auch die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas genannt. "Wenn es beim Friedensnobelpreis wirklich um Frieden geht, dann sind sie es", meint der Direktor des schwedischen außenpolitischen Instituts, Mats Karlsson.

Er hoffe, dass der Preis an jemanden gehe, der sich mit seiner Arbeit über viele Jahre bewiesen habe - statt einer "Belohnung für eine symbolische Aktion". Ein Preis für Taten also statt für Hoffnung, wie beispielsweise der 2009er Preis an den damaligen US-Präsidenten Barack Obama.

Urdal sieht das anders: Ein Friedensnobelpreis könne Dinge anstoßen, auf den richtigen Weg bringen, sagt er. "Letztes Jahr hat der Nobelpreis für Präsident Juan Manuel Santos dazu beigetragen, den Friedensprozess in Kolumbien neu zu fokussieren." Eine Auszeichnung für das Atomabkommen mit dem Iran könne riskant sein. "Wir wissen nicht, ob das Abkommen langfristig Erfolg haben wird", sagt Urdal. Doch um etwas zu bewegen, müsse die Jury solche Risiken eingehen.

 

Berühmte Preisträger

Häufig geht der Nobelpreis an Friedenskämpfer, die international nicht so sehr im Rampenlicht stehen. Man denke an das Quartett für den nationalen Dialog in Tunesien 2015. Seit 1901 hat die Jury aber auch weltberühmte Preisträger gekürt. Zweimal erhielten bisher Österreicher die Auszeichnung: 1905 die Schriftstellerin und Pazifistin Bertha von Suttner und 1911 der Journalist Alfred Hermann Fried.

Im Folgenden eine Übersicht über einige berühmte Preisträger der jüngeren Vergangenheit.

BARACK OBAMA: Der Preis, den der damalige US-Präsident gleich im ersten Jahr seiner Amtszeit bekam, ist einer der umstrittensten in der Geschichte des Nobelpreises. Obama wurde 2009 "für seinen außergewöhnlichen Einsatz zur Stärkung der internationalen Diplomatie und der Kooperation zwischen Völkern" geehrt.

MARTIN LUTHER KING JR.: Der US-amerikanische Bürgerrechtler erhielt den Preis 1964 im Jahr nach seiner berühmten "I have a dream"-Rede. Vier Jahre später wurde er ermordet.

MUTTER TERESA: Die Helferin der Armen und Kranken bekam den Nobelpreis 1979. Im vergangenen Jahr wurde sie von Papst Franziskus heiliggesprochen.

NELSON MANDELA: Der südafrikanische Nationalheld, der mit seinem Kampf für die Freiheit die Apartheid beendete, bekam den Nobelpreis noch vor seiner Zeit als erster schwarzer Präsident des Landes. Er teilte sich die Auszeichnung 1993 mit dem weißen Präsidenten Südafrikas, Fredrik Willem de Klerk.

WILLY BRANDT: Der SPD-Bundeskanzler ist der wohl bekannteste deutsche Träger des Friedensnobelpreises. Er wurde 1971 für seine Ostpolitik geehrt, die zur Entspannung im Kalten Krieg beitrug.

MICHAIL GORBATSCHOW: Das damalige sowjetische Staatsoberhaupt wurde 1990, ein Jahr nach dem Mauerfall und dem Ende des Kalten Krieges, mit dem Nobelpreis geehrt.

ARAFAT, PERES UND RABIN: Der Ende September gestorbene israelische Altpräsident Shimon Peres bekam den Preis 1994 als Außenminister gemeinsam mit dem damaligen Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin und dem Chef der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), Yasser Arafat, für ihre Bemühungen um ein Ende des Nahost-Konfliktes.

DAS ROTE KREUZ UND SEIN GRÜNDER JEAN HENRY DUNANT: Dunant bekam 1901 den allerersten Friedensnobelpreis. Seitdem wurde die von ihm gegründete Hilfsorganisation, das Rote Kreuz, noch dreimal ausgezeichnet. Niemand erhielt den Friedensnobelpreis häufiger.

KOFI ANNAN UND DIE UN: Die Vereinten Nationen und ihr damaliger Generalsekretär Kofi Annan erhielten den Preis 2001 "für ihren Einsatz für eine besser organisierte und friedlichere Welt".

DIE EU: Mit dem Nobelpreis für die Europäische Union würdigte das norwegische Komitee 2012 deren Beitrag zum Frieden in Europa.

 

(APA/dpa)