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Dezente Rebellen: Rocker mit Klavier und Chor

Sänger Fabian Woschnagg und Schlagzeuger Nino Ebner (v.l.) bleiben dem Englischen treu.
Sänger Fabian Woschnagg und Schlagzeuger Nino Ebner (v.l.) bleiben dem Englischen treu.(c) Akos Burg
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Die Band Olympique zelebrieren den Rock'n'Roll als Lebenseinstellung – und nimmt bewusst seine Schattenseiten in Kauf.

Mit ihrem an die Siebzigerjahre erinnernden Sound liegen sie im aktuellen Trend. Die Salzburger Rockband „Olympique“ setzt frohgemut auf ein mit Klavier und Chören aufgewertetes Klangbild. Hippe Bands wie Tame Impala und Bon Iver dienten bei der Aufnahme des zweiten Albums „Chron“ als heimliche Leitsterne. Ihr Debüt „Crystal Palace“ hat 2014 ziemlich eingeschlagen, vor allem auch jenseits der Landesgrenzen. Das schreckte den Pianisten Leo Scheichenost, der sich 2015 vom Acker machte. „Der Leo ist ja auch Graphic Designer. Just in dem Augenblick, als wir uns entschieden, unsere Jobs aufzugeben und Ernst zu machen mit der Musik, wollte er nicht mehr mitgehen“, sagt Schlagzeuger Nino Ebner.

Auf Tourneen ersetzen ihn nun zwei Musiker. Im Studio nahm überraschend der angesehene Jazzpianist-Youngster Philipp Nykrin seinen Platz ein. Er brilliert an Synthesizer und Keyboards. Schon mit den ersten Klängen wird klar, dass an „Chron“ penibel getüftelt wurde. Die Musik lebt von vielen winzigen Details und die Liedtexte sind klugerweise sehr vage gehalten. „Uns geht es darum, einen positiven Bezug zu den hässlichen Themen dieser Welt zu schaffen“, sagt Sänger Fabian Woschnagg. Dieses gewisse Maß an Subversion, das man sich oft von jüngeren Bands erwartet, halten Olympique recht versteckt. „Wir wollen den Zuhörern nicht vorgeben, was sie zu denken haben“, erklärt Ebner, „aber ich denke, es gibt genug am Album, das gedanklich anregt.“

Den erhobenen Zeigefinger schätzen Olympique nicht. Die beiden Mittzwanziger machen seit ihrer Hauptschulzeit gemeinsam Musik. Sie sind ein wenig stolz darauf, sich ihre Instrumente selbst beigebracht zu haben und mutig ihren Weg ins Ungewisse antreten zu haben. Die kulturelle Situation in Salzburg hat sie geprägt. „Man reibt sich halt am High-End-Kulturkonsum, der Tradition in Salzburg ist. Da kommt man auf Ideen. Nicht unwichtig war auch das Salzburger Rockhouse für uns. In seinem Dunstkreis kann man sich als Band gut entwickeln.“

Musikalischer Fortschritt muss für sie nicht unbedingt linear verlaufen. Rhythmusmeister Ebner: „Bis zum Debütalbum ist alles eher einfach. Wenn das dann mal halbwegs erfolgreich lanciert ist, dann beginnen die Mühen der Ebene. Dann musst du eine Extraportion Engagement in dir abrufen. Die Fehler des ersten Albums wollten wir unbedingt vermeiden, uns – wie es nur menschlich ist – auf neue Fehler einlassen. Das nennt man dann künstlerische Entwicklung.“

Den Hype um österreichische Bands, die auf Deutsch singen, beobachten sie interessiert, bleiben aber unbeirrt bei ihren englischen Texten. „Ich liebe diese Sprache einfach.“ sagt Woschnagg, „Die Ästhetik des Englischen taugt mir total. Und es mag auch sein, dass ich in der Fremdsprache eine Rolle einnehme, die mir im Deutschen nicht möglich wäre.“ Zum Mythos des Rock'n'Roll gehört immer noch die Freiheit, auch in einer Welt, in der sich junge Musiker gezwungen sehen, auf vielen anderen Kanälen zu kommunizieren. Olympique drehen aufwendige Videos, hecken Instagram-Stories aus und feuern Messages auch auf anderen sozialen Medien. „Nein, eine Zumutung ist diese Form von Marketing für uns nicht. Uns ist es einfach wichtig, uns zu präsentieren, wie wir es für richtig erachten.“ Selbstkritik blitzt da zuweilen auf. „Wir können uns ja von den Entwicklungen nicht ausnehmen. Wenn wir etwa über die narzisstische Selfie-Kultur ätzen, dann geht das auch gegen uns selbst“, sagen die beiden.

Ein Hitalbum wollte man nicht

Die Freiheit des Rock'n'Roll haben sie auf langen Deutschlandtourneen, aber auch auf einer Tour durch die Pubs von London und Manchester kennengelernt. Abendgage? „Drei Biermarkerln. Aber wir wollten es halt wissen“, sagt Ebner und lacht. Woschnagg ergänzt: „Nur wenn man sich in der Fremde probiert, merkt man, was einen Song zu einem Song macht.“ Was das exakt ist? „Absolute Ehrlichkeit!“ Olympique zelebrieren den Rock'n'Roll als Lebenseinstellung, nehmen bewusst auch dessen Schattenseiten in Kauf: „Uns ist die Konsumkultur zu wenig. Wir produzieren Musik, die konzentriert gehört werden will. Ein Hitalbum hätten wir nicht machen wollen.“

>> Vor drei Jahren haben wir Olympique im Stadtpalais Liechtenstein fotografiert, damals waren sie noch zu dritt.

Zur Person

Bandmusik. Mit ihrem an die Siebzigerjahre erinnernden Sound liegt die Salzburger Rockband „Olympique“ im aktuellen Trend. Ihr zweites Album „Chron“, das dieser Tage erscheint, setzt frohgemut auf ein mit Klavier und Chören aufgewertetes Klangbild. Die Band, mittlerweile ohne Pianisten Leo Scheichenost, geht mit den neuen Songs auf Tour. Sie spielt etwa am 10. November in Innsbruck, am 11. November in Linz, am 24. November in Graz und am 29. November im Wiener WUK. www.facebook.com/olympiqueofficial/

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.10.2017)