Ein Walzertraum in Valentino-Rosa

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Besonders gelungener Fernsehauftritt sowie feenhafte Farben und Design bei den Balletteinlagen. Karina Fibich rückte im Musikverein die Philharmoniker mit 14 Kameras aus allen erdenklichen Perspektiven in den Mittelpunkt.

Eines muss man dem ORF lassen: So gelungen wie heuer war die Fernsehübertragung des Neujahrskonzerts selten. Karina Fibich rückte im Musikverein die Philharmoniker mit 14 Kameras aus allen erdenklichen Perspektiven in den Mittelpunkt – sehr musikalisch, in poetischen Einstellungen und mit raffinierten Details bis hin zu Kamerafahrten, die ihren Ausgang bei den Zehen der mythologischen Figuren nahmen, die den Saal zieren.

Im Kunsthistorischen Museum, wo das Ballett für zwei Liveeinlagen bereitstand, führte Michael Beyer einfallsreich Regie: Während Renato Zanella bei der Choreografie zur Polka Mazur „Ein Herz, ein Sinn“ für die zwei Gaststars von der Pariser Oper – Eleonora Abbagnato und Nicolas Le Riche – den beengten Verhältnissen der Antikensammlung mit eher getragenen Bewegungen Tribut zollen musste, konnte das Ballett der Wiener Staatsoper beim Walzer „Morgenblätter“ (beide Johann Strauß Sohn) die Weitläufigkeit des imperialen Prachtbaus mit mächtigen Pas de deux und großen Bewegungen auskosten – Beyer sorgte dafür, dass die Kunst des Tanzes mit jener der Architektur zu einer Einheit verschmolz.

In ihren herrlich luftigen Valentino-Kleidern, deren Vielschichtigkeit in Design und Farbe erst dann voll zur Geltung kam, wenn sich bei den die Schwerkraft überwindenden Hebungen der Tüll bauschte oder wenn durch eine schnelle Beinbewegung versteckte Blüten oder glitzernde Unterröcke aufblitzten, wirken die Tänzerinnen diesmal noch eleganter als sonst, fast feenhaft.

 

Tänzer sorgen für einen Hauch Frühling

Nur für Abbagnato und die Polka wählte der Stardesigner eine Robe in seiner Lieblingsfarbe – feurigem Valentino-Rot –; der Walzer schaukelte durch ein Meer aus frischem Rosa mit etwas Grau und Blau, was den schwungvollen Kontrast der Choreografie zum erlesenen Marmor der festlichen Stiegenaufgänge und den alten Meistern an den Wänden noch verstärkte.

250 Arbeitsstunden stecken in einem solchen Kleid – ein Detail unter vielen, die Hannes Rossacher in seinem Pausenfilm „Inside“ ausplauderte. Er dokumentierte die Entstehung der Kostüme, verfolgte die Proben von Orchester und Ballett bis hin zur Generalprobe und sorgte somit für kurzweilige Hintergrundinformation zum Neujahrskonzert. Letztlich stahlen aber die Tänzer im Valentino-Look allen die Schau. Und man meinte fast, an diesem ersten Tag des Jahres schon einen Hauch Frühling zu verspüren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.01.2010)