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Paradise Papers: Datenleak enthüllt geheime Geschäfte in Steueroasen

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Wie Gewinne in die Steuerparadiese verschoben werden.(c) imago/robertharding (Richard Cummins)
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Das Meinl-Imperium und Investmentbanker Flöttl befinden sich in prominenter Gesellschaft. In den Daten der Anwaltskanzlei Appleby finden sich auch US-Handelsminister Ross, die britische Royal Family sowie Konzerne wie Nike und Apple.

Panama Papers war gestern, Paradise Papers  ist heute: Das neueste Daten-Leck, das Einblicke in die Offshore-Finanzindustrie, deren reiche Klientel und in Steuerparadiese bringt, hat es in sich. Ergebnisse der Recherche in insgesamt 1,4 Terabyte Daten durch die Plattform ICIJ, zu der in Österreich ORF und "Falter" gehören, zeigen, wie Großkonzerne Gewinne fast steuerfrei ins Ausland transferieren.

Aus Österreich taucht das Meinl-Imperium in den Dokumenten auf - und auch der Investmentbanker Wolfgang Flöttl, der einen Milliardenbetrag der Bawag verspekuliert hat. Die 13,4 Millionen Dokumente geben laut ORF und "Falter" tiefe Einblicke in die komplexen Strukturen der Offshore-Finanzwelt. So lasse sich detailliert nachvollziehen, wie beispielsweise Apple oder Nike in Europa erzielte Gewinne nahezu steuerfrei ins Ausland transferieren.

Größten Konzerne der Welt als Topkunden

Im Zentrum der Enthüllungen steht diesmal eine Anwaltskanzlei namens Appleby. Aus dieser Firma, die auf die Gründung und Betreuung von Briefkastenfirmen spezialisiert ist, stammen rund 6,8 Millionen vertrauliche Dokumente. Dazu kommen weitere rund sechs Millionen Dokumente von Firmenbüchern aus 19 Offshore-Destinationen und noch einmal rund 600.000 weitere Dokumente einer weiteren Offshore-Dienstleistungsfirma aus Singapur - also insgesamt 13,4 Millionen Dokumente.

Appleby hat den Hauptsitz auf der Insel Bermuda, die als Steuerparadies gilt. Mit einem weltweiten Netz von zehn Standorten hat sich die Kanzlei auf Offshore-Dienstleistungen für reiche Menschen und große Firmen spezialisiert.

Die Appleby-Kunden "sind Top-Kunden", sagt ICIJ-Direktor Gerard Ryle im ORF-Bericht. "Wir sprechen von den größten Konzernen der Welt." Die Unternehmen würden Appleby nutzen, um Steuern zu vermeiden oder möglichst wenig Steuern zu bezahlen. Das sei vielleicht nicht illegal, so Ryle. "Aber die Dokumente zeigen, wie weit die Unternehmen gehen, um Steuern zu vermeiden."

Appleby sieht kein Fehlverhalten

Aber nicht immer geht es um Steuervermeidung. Sehr oft wird der Umstand genutzt, dass die Besitzer von Briefkastenfirmen normalerweise im Dunkeln bleiben. In den Daten von Appleby und den Firmenbüchern von 19 Offshore-Destinationen finden sich Prominente aus aller Welt: Etwa US-Handelsminister Wilbur Ross oder auch die britische Royal Family. Dazu kommen Konzerne wie Nike, Apple oder Glencore, der größte Rohstoffhändler der Welt.

Ross und andere Investoren halten über ein kompliziertes Konstrukt aus Briefkastenfirmen und Fonds auf den Cayman Islands 31,5 Prozent an einer Reederei namens Navigator. Diese vermietet Schiffe zum Transport von Flüssiggas unter anderem an den russischen Konzern Sibur. Dieser Konzern wiederum gehört unter anderem Putins Schwiegersohn Kirill Shamalow, dem Milliardär Leonid Mikhelson - und dem unter US-Sanktionen stehenden Milliardär Gennady Timchenko.

"Appleby hat die Vorwürfe sorgfältig und gründlich untersucht, und wir sind überzeugt, dass es keinerlei Belege für ein Fehlverhalten gibt. Nicht bei uns selbst, und auch nicht bei unseren Kunden", lautet die kurze schriftliche Stellungnahme von Appleby auf der Kanzlei-Homepage.

Wie schon bei den Panama Papers sind auch die Daten der Paradise Papers zur "Süddeutschen Zeitung" gelangt. Der Datenschatz wurde in den vergangenen Monaten weltweit von 96 Medien und mehr als 380 Journalisten ausgewertet.

 

(APA)