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Wort der Woche

Agro-Food Studies

Bilder des Tages Eine Frau haelt ein Baguette in der Hand Frankreichs Staatschef Macron hat sich daf
imago/Manngold
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Vier österreichische Wissenschaftler werfen einen gesamthaften Blick auf unsere Ernährung. Ein lohnendes Unterfangen!

Was ist ein „gutes“ Lebensmittel? Auf den ersten Blick scheint die Antwort einfach: wenn es gut schmeckt – und wenn es gesund ist. Doch die Sache ist viel komplizierter, je nach Blickwinkel gibt es viele mögliche Antworten, die alle ihre Berechtigung haben. Aus Sicht des Marktes entsteht der Wert eines Lebensmittels über den Preis, in der Welt der Industrie bestimmen Know-how und Effizienz die Qualität, in der häuslichen Welt spielt der Mensch die Hauptrolle. Der zivilgesellschaftliche Blick richtet sich auf die Organisation der Wertschöpfungsketten. Essen und Trinken haben aber ebenso etwas mit Wohlbefinden und Selbstverwirklichung zu tun und bestimmen auch den sozialen Status mit. Und nicht zuletzt wird die Qualität auch über Umweltauswirkungen definiert.

Diese differenzierte Darstellung findet sich in dem vor Weihnachten erschienenen Buch „Agro-Food Studies“ (263 S., UTB/Böhlau, 23,70 €), das vier ausgewiesene Experten gemeinsam verfasst haben: der Humangeograf Ulrich Ermann (Uni Graz), der Wirtschaftshistoriker Ernst Langthaler (Uni Linz), die Nachhaltigkeitsforscherin Marianne Penker (Boku Wien) und der Agrarsoziologe Markus Schermer (Uni Innsbruck). Entsprechend vielgestaltig sind die Zugänge zum Thema. Ja mehr noch: Versucht wird eine Synthese von natur-, technik-, sozial- und kulturwissenschaftlichen Betrachtungsweisen, die sowohl die Produktions- als auch die Konsumseite von Lebensmitteln umfasst.

So stößt man beim Schmökern auf viele vermeintlich eindeutige Zusammenhänge, die aber bei näherer Betrachtung auch ganz anders gesehen werden können. Etwa bei der Frage: Was ist „natürlich“? Oder: Wer bestimmt, was wir essen? Oder: Welches Agrar- und Ernährungssystem hat Zukunft? Wie beim eingangs angeführten Beispiel – was denn „gutes“ Essen sei – gibt es selten eindeutige und einfache Antworten, sondern meist ein ganzes Bündel davon.

Das wird sich auch bei der Veranstaltungsreihe der Volkshochschule Linz „Denk.Mal.Global“ ab kommendem Mittwoch zeigen, in der sich die Autoren, allwöchentlich um 19 Uhr, mit konkreten Lebensmitteln (Soja, Kaffee, Fleisch, Henne und Ei sowie Palmöl) befassen und die vielfältigen Zusammenhänge analysieren (Info: www.wissensturm.at).Man darf sich keine fertigen Antworten auf die vielen drängenden Fragen erwarten. Aber allein schon das Nachdenken über die angeblich zweitschönste Sache der Welt – das Essen – ist lohnend.


Der Autor leitete das Forschungsressort der „Presse“ und ist Chefredakteur des „Universum-Magazins“.

meinung@diepresse.com

diepresse.com/wortderwoche

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.01.2018)