Sondererlös rettet Siemens

FILE PHOTO: The headquarters of Siemens AG is seen before the company´s annual news conference in Munich
Themenbild: Siemens AG(c) REUTERS (Michael Dalder)

Das Quartalsergebnis spiegelt die Probleme in der Kraftwerkssparte wider. Aktionäre kritisieren Medizintechnik-IPO.

München. Draußen wetterten die Demonstranten gegen den Jobabbau in der Kraftwerkssparte. Drinnen ereiferten sich die Aktionäre bei der Siemens-Hauptversammlung über den geplanten Börsegang der profitablen Medizintechnik-Sparte. Da gingen die Zahlen zum ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres fast unter – obwohl sie die Schwachstellen des deutschen Technologieriesen deutlich machen.

Der Sondergewinn aus dem Verkauf der restlichen Osram-Anteile in Höhe von 655 Mio. Euro sowie der positive Effekt aus der US-Steuerreform von 437 Mio. Euro haben den Gewinn um zwölf Prozent auf rund 2,2 Mrd. Euro nach oben getrieben. Operativ lief es jedoch nicht so rund: So belasteten schwache Geschäfte mit Gasturbinen den Umsatz und vor allem das Ergebnis. Auch der starke Euro hinterließ seine Spuren.

Das Ergebnis des industriellen Geschäfts sank um 14 Prozent auf 2,2 Mrd. Euro. Dabei wurde der Gewinn der Kraftwerkssparte fast halbiert. Damit hat sich die Sparte Power & Gas nach Ansicht von Konzernchef Joe Kaeser vergleichsweise gut geschlagen. US-Wettbewerber General Electric hatte für die letzten drei Monate des Jahres noch stärker Federn lassen müssen. Beide Konzerne haben angesichts der schwachen Nachfrage nach Gasturbinen und erheblicher Überkapazitäten Sparprogramme aufgelegt, die den Abbau Tausender Stellen sowie die Schließung von Werken vorsehen. Siemens will in der Sparte sowie im Prozessgeschäft fast 7000 Stellen abbauen, die Gespräche darüber laufen. Die aktuelle Geschäftsentwicklung zeige, dass Handlungsbedarf bestehe, sagte Kaeser.

Den Ausblick auf das Gesamtjahr 2017/18 bekräftigte Kaeser Der Umsatz, der im Quartal bei 19,8 Mrd. Euro lag, soll leicht wachsen. Bereinigt um Kosten für den Personalabbau soll die Ergebnismarge im industriellen Geschäft bei elf bis zwölf Prozent liegen, nach 11,1 Prozent im Vorjahr. Die Aktie reagierte mit einem leichten Kursgewinn.

 

Negative Kurseffekte

Gewinnrückgänge gab es in der Medizintechnik-Sparte Healthineers. Hier machten sich negative Wechselkurseffekte erheblich bemerkbar. Allerdings gehört das Geschäft weiterhin zu den größten Gewinnbringern bei Siemens.

„Warum soll die Ertragsperle Healthineers gerade jetzt an die Börse gebracht werde, wo das Geschäft dort glänzend läuft und weite Teile des restlichen Geschäfts von Siemens unter Druck stehen“, wetterte Portfoliomanager Ingo Speich von Union Investment auf der Hauptversammlung. Der Börsengang drohe den Siemens-Aktionären zu schaden. „Wie werden die Altaktionäre entschädigt, denen ein Juwel aus der Siemens-Krone gebrochen wird?“ Eine mögliche Antwort hatte Marcus Poppe von der Deutsche Asset Management: er regte an, den Aktienrückkauf aufzustocken.

Gerhard Cromme erlebt das IPO nur mehr als Zuseher: Der Aufsichtsratschef nahm nach elf Jahren an der Spitze des Kontrollgremiums seinen Abschied.