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Aufsicht warnt: Banken sind bei der Kreditvergabe zu leichtfertig

Der Konkurrenzkampf verführe die Banken zu hohen Risiken, warnen die FMA-Vorstände Klaus Kumpfmüller (li.) und Helmut Ettl.Die Presse / Fabry
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Früher ist ein Kredit mit dem Pensionsantritt ausgelaufen. Jetzt kann man sich bis zum 80. Geburtstag verschulden. Wie vor der Finanzkrise gehen die Banken allzu hohe Risiken ein, warnt die FMA.

Die Finanzmarktaufsicht (FMA) drückt auf den Alarmknopf. Zehn Jahre nach der letzten Finanzkrise gehen die heimischen Banken erneut zu entspannt mit der Frage um, wer wie viel Kredit bekommt. Die Banken nehmen zu viel Risiko. Auch die Laufzeiten nehmen problematische Ausmaße an, so FMA-Vorstand Helmut Ettl am Mittwochabend vor Journalisten. Das Problem: Wenn eine neue Krise kommt, wird aus fragwürdigen Krediten rasch ein "non performing loan", ein Giftpapier. Eine Belastung für die Banken. Sie haben Geld verborgt, das sie nicht mehr zurück bekommen. "Wie nachhaltig die Kreditvergabe ist, wird sich erst in der nächsten Krise zeigen. Das kann man im Aufschwung schwer feststellen."

Die Warnzeichen sind aber alle da: Im Schnitt vergeben die Banken immer rascher Geld. Und immer mehr. Das Kreditwachstum ist in 2017 auf drei Prozent angestiegen. 2013 lag es bei 0,5 Prozent. Bei Wohnbaukrediten gab es zuletzt sogar ein Wachstum um 4,5 Prozent. Das ist natürlich kein Zufall. Die Europäische Zentralbank hält die Zinsen seit Jahren nahe dem Gefrierpunkt. Und vor nicht einmal einem Jahr hat Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny vor Wirtschaftsstudenten gesagt: "Beeilen Sie sich, kaufen Sie noch rasch eine Wohnung".

Laufzeit bis zum 80. Geburtstag

Die Kreditvergabe an Private Haushalte an sich sei auch nicht das Problem. "Die Banken sollen ja Kredite vergeben. Aber die Bedingungen müssen passen", so FMA-Vorstand Klaus Kumpfmüller. Leider habe der harte Konkurrenzkampf die Institute zu hohen Risiken verführt, so die FMA. Die Banken verlangen immer geringere Eigenmittel und Sicherheiten. Was neu ist: Auch die Laufzeiten werden zunehmend gestreckt. Früher sei es üblich gewesen, dass ein Kredit spätestens mit Pensionsantritt des Kreditnehmers ausgelaufen ist und zurückgezahlt wurde.

Seit rund zwei Jahren hätten die Banken das Höchstalter für die Berechnung der Laufzeit auf bis zu 80 Jahre gestreckt, so die FMA. Das sei angesichts der steigenden Lebenserwartung vielleicht verständlich. "Aber in der Pension kann der Kreditnehmer nicht mehr mit steigenden Einkommen rechnen, eher im Gegenteil", so Helmut Ettl.

Auch die Kreditnehmer sollen aufpassen

Die Schuld für diese Entwicklung alleine bei den Banken zu suchen, sei freilich verfehlt. Auch die Kreditnehmer gehen immer höhere Risiken ein. Zwar steige der Anteil an fix verzinsten Krediten, die in Österreich bisher eher unüblich waren. "Variable Verzinsung erhöht das Risiko für den Kreditnehmer massiv", so die FMA. Aber dennoch würden viele schon bei der Kreditaufnahme über ihren Verhältnissen leben. "Alle Spielräume beim verfügbaren Einkommen werden ausgenutzt", so Kumpfmüller. Aber hier sei ein Kardinalsfehler zu finden: Man solle seine Kreditaufnahme realistisch anhand des Einkommens bemessen - und nicht, wie es viele tun, anhand eines fiktiven zukünftigen Immobilienwerts.

Die Aufsicht schickt auch eine Warnung an die Banken: Sollten die Kriterien zur Kreditvergabe weiter aufgeweicht werden und unangemessene Risiken zu beobachten sein, wolle man einschreiten. Möglicherweise noch heuer.