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Glencore-Chef lässt Deripaska im Regen stehen - Raiffeisen stürzt weiter ab

Oligarch Oleg Deripaska bekommt US-Sanktionen zu spüren
Oligarch Oleg Deripaska bekommt US-Sanktionen zu spürenAFP (OLGA MALTSEVA)
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Nächste Folge der US-Sanktionen gegen Russland: Der Chef des Schweizer Rohstoffkonzerns Glencore, Ivan Glasenberg, tritt als Verwaltungsrat des russischen Aluminiumkonzerns Rusal zurück. Die Aktie der Raiffeisen Bank International steht erneut unter Druck.

Der an der Börse mit 70 Milliarden Dollar bewertete Schweizer Rohstoffkonzern Glencore wird durch die US-Sanktionen gegen russische Unternehmen und Staatsbürger vor Probleme gestellt. Das Unternehmen steht in engen Beziehungen zu den auf der Sanktionsliste stehenden Unternehmen Rusal und En+ des russischen Geschäftsmannes Oleg Deripaska. In einer Mitteilung des Konzerns vom Dienstag heißt es, man sei bemüht, sich in seiner Geschäftstätigkeit an die Sanktionen zu halten und alle nötigen Maßnahmen zu treffen, um Risiken für Glencore zu vermeiden.

Glencore hält über die Tochter Amokenga Holdings 8,75 Prozent an Rusal und hat bestehende Lieferverträge für Aluminium. Glencore-CEO Ivan Glasenberg hat sein Amt im Verwaltungsrat von Rusal laut Mitteilung inzwischen aufgegeben. Das Unternehmen evaluiere seine vertraglichen Beziehungen zu Rusal, hält jedoch fest, dass diese finanziell "nicht wesentlich" seien.

Zudem wird der nicht bindend vereinbarte Aktientausch der von Glencore gehaltenen Rusal-Aktien in En+-Aktien nicht durchgeführt, wie es weiter heißt. Glencore werde die Transaktion im Lichte der Sanktionsbeschränkungen nicht weiterverfolgen. Der Aktientausch wurde im November vergangenen Jahres vereinbart.

Der Aluminiumriese Rusal wird von der in London börsennotierten Holding En+ des russischen Geschäftsmannes Oleg Deripaska kontrolliert. Rusal, En+ und Deripaska selbst sind von den neuen amerikanischen Sanktionen betroffen.

Raiffeisen setzt die Talfahrt fort

Die Verschärfung der US-Sanktionen gegen Russland hatte bereits am Montag Investoren an den Finanzmärkten in Moskau und Wien verschreckt. Anleger in Moskau flohen in Scharen aus russischen Aktien und dem Rubel.   In Wien brach am Montag die Aktie des teilstaatlichen Öl- und Gaskonzerns OMV zeitweise um fünf Prozent ein. Das Papier der Raiffeisen Bank International (RBI) sackte zwischenzeitlich gar um 14 Prozent ab und ging mit einem Tagesminus von 11,66 Prozent aus dem

Die RBI-Aktien haben seit Wochenbeginn eine regelrechte Berg- und Talfahrt hingelegt. Am Montag waren sie massiv eingebrochen und sind mehr als 11,5 Prozent tiefer aus dem Handel gegangen. Am Dienstag begab sich das Papier im Eröffnungshandel zunächst auf Erholungskurs und stieg um knapp 5,5 Prozent, nachdem die Bank den Verkauf ihrer polnischen Tochterbank an die französische BNP Paribas bekanntgegeben hat.

 

In Moskau fiel am Dienstag der Index für die in Dollar gelisteten Standardwerte in der Spitze um knapp fünf Prozent auf ein Acht-Monats-Tief von 1042 Punkten. Der Rubel verlor zum Dollar bis zu 5,5 Prozent und war mit 63,92 Rubel so billig wie seit Dezember 2016 nicht mehr. Die Kurse russischer Staatsanleihen in Dollar und Euro gaben ebenfalls nach, im Gegenzug zogen die Renditen kräftig an. Ein Sprecher des russischen Präsidialamts sagte, er gehe davon aus, dass der Kursrutsch an den Börsen zum Teil emotional getrieben sei und es eine Korrektur geben werde.

"Der Markt wurde von den Ausmaß der Sanktionen offenbar überrascht", sagte Per Hammarlund, Schwellenland-Experte bei der Bank SEB. "Nun überdenken die Anleger ihre bislang sehr positive Haltung gegenüber Russland."

Nicht nur Deripaska betroffen

Die USA hatten am Freitagnachmittag Strafmaßnahmen gegen sieben Russen und zwölf ihrer Firmen wegen Einmischung in den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 verhängt. Zu den Betroffenen zählen der Industriemagnat Oleg Deripaska, dem der Aluminiumkonzern Rusal gehört, sowie der Abgeordnete Suleiman Kerimow, dessen Familie den größten russischen Gold-Produzenten Polyus kontrolliert. Polyus-Aktien verloren seit Freitag bis zu 23 Prozent, Rusal büßten in der Spitze 88 Prozent ihres Börsenwertes ein. Rusals Dollar-Bond mit einer Laufzeit bis 2023 fiel um 17,3 US-Cent auf ein Rekordtief von 52 US-Cent.

Die russische Regierung teilte daraufhin mit, Unternehmen vor den Folgen der neuen US-Sanktionen schützen zu wollen. Ministerpräsident Dmitri Medwedew wies sein Kabinett an, Maßnahmen dazu vorzubereiten. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte, man brauche Zeit, um die Folgen der Strafmaßnahmen zu analysieren. Die Regierung beobachte die Entwicklung an den Märkten sehr aufmerksam.

Die RBI lässt verlauten, dass die Russlandsanktionen sich auf Gruppenebene nur minimal auf das Geschäft Bank auswirken werden. "Von den jüngsten US-Sanktionen sind nur rund 0,1 Prozent der Bilanzsumme der RBI-Gruppe betroffen", so die RBI. Auch Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny sieht keine direkten Auswirkungen: "Wir sehen am Ende des Tages keine direkten Auswirkungen auf das Geschäft von Raiffeisen", sagte der Notenbanker laut Nachrichtenagentur Reuters. 

 

Auch Schweizer Aktien auf Talfahrt

In der Schweiz waren am Montag die Aktien des Industriekonzerns Sulzer und weiterer Unternehmen, an denen der russische Oligarch Viktor Vekselberg namhaft beteiligt ist, auf Talfahrt. Im Visier der Amerikaner stehen auch Gesellschaften, an denen die Oligarchen die Mehrheit halten. Dazu gehört Sulzer. Der Winterthurer Konzern vereinbarte deshalb über das Wochenende, eigene Aktien von Vekselbergs Renova zu kaufen, sodass der Anteil der Beteiligungsgesellschaft an Sulzer unter 50 Prozent fällt. Dennoch brachen die Sulzer-Aktien 16 Prozent ein.

"Viele Marktteilnehmer haben Angst, dass die drohenden Sanktionen das Geschäft der Vekselberg-Firmen negativ beeinflussen werden", sagte ein Händler. Im Zuge der Sanktionen werden die Vermögenswerte der Wirtschaftsmagnate und 17 weiterer hochrangiger Regierungsvertreter in den USA eingefroren. Gleichzeitig untersagt die Regierung Amerikanern allgemein, Geschäft mit ihnen zu machen. Einem Rechtsexperten zufolge dürften etwa die meisten westlichen Banken davor zurückscheuen, den betroffenen Firmen bei der Kapitalaufnahme zu helfen. Händler erklärten, es sei unklar, wie sich Banken und Kunden auch bei den nicht direkt mit den Sanktionen belegten Firmen verhalten würden.

(awp/APA/red)