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Bühne

TAG: „Helden“, nicht nur von David Bowie

Mit Musik und Melancholie: Raphael Nicholas spielt den kostümierten Strippenzieher.
Mit Musik und Melancholie: Raphael Nicholas spielt den kostümierten Strippenzieher.(c) Anna Stöcher
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Kritik„Unterm Strich“, sehr lose angelehnt an den „Jahrmarkt der Eitelkeit“, erzählt im Zeitreiseformat von Menschen, die gerne Helden geworden wären. Ein turbulenter Theaterabend.

In zotteliger weißer Perücke, Rüschenhemd und Gehrock steht er da, der Strippenzieher des Abends, und haut die Finger in die Tasten seines Akkordeons: „Heroes“ von David Bowie. Ein Lied, das die Darsteller später auch a cappella anstimmen werden. Die Zeilen bleiben Wunschtraum, diese Figuren werden keine Helden, auch nicht „just for one day“, das hat der Autor der literarischen Vorlage schon im Untertitel klargemacht. William Makepeace Thackerays englischer Gesellschaftsroman „Jahrmarkt der Eitelkeit“ ist eine „Novel without a Hero“. „Unterm Strich“, die neue Produktion im Theater an der Gumpendorfer Straße, hat sich aus dem 170 Jahre alten Wälzer zwar nur Inspiration für die Figuren und die grobe Konstruktion genommen – ein Spielleiter auf einem Jahrmarkt, der die Handlung als Puppenspiel erzählt und moralisierend kommentiert –, heldenhaftes Verhalten bleibt aber auch hier Mangelware.

Dafür sind diese Leute, liebevoll überzeichnet vom TAG-Ensemble dargestellt, nämlich viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Die egozentrische Becky (Petra Strasser), die allen ins Wort fällt. Die gutmütige, gnadenlos naive Emma (Lisa Schrammel), die nicht merkt, dass ihr geliebter Martin (Georg Schubert), ein gewissenloser Schmarotzer, sie mit Becky betrügt. Und Richard (Jens Claßen), der heimlich in Emma verliebt ist, die Briefe an sie aber nicht abzuschicken wagt. Regisseurin Margit Mezgolich zeigt ihre Entwicklung über mehrere Zeitebenen: Als Schauspielstudenten im Jahr 1989, als man noch Raider naschte und in Notfällen aus der Telefonzelle die Rettung rufen musste, bis in die Emoji-Gegenwart, in der bei einem unheimlichen Klassentreffen über Geschafftes und Versäumtes referiert wird. Dazwischen schmücken Nachrichtenschnipsel und Popsongs die Zeitreise durch die Jahre, die Lebensläufe hangeln sich von EU-Beitritt zu Sonnenfinsternis.