Filmtipps

Han Solos Seelenverwandte: Die besten Draufgänger-Filme auf Netflix, Amazon & Co.

Schottische Prinzessin, aber lieber Bogenschützin: Merida in „Brave“.(c) Pixar

Im Kino erzählt der jüngste „Star Wars“-Film gerade die Vorgeschichte des Weltraum-Abenteurers Han Solo. Teufelskerle wie ihn (auch weibliche) kann man auch via Streaming kennenlernen.

Flash Gordon

Von Mike Hodges, 1980
Zu sehen auf Amazon

Als George Lucas sein „Star Wars“-Universum schuf, dienten ihm bekanntermaßen allerlei Popkultur-Heldensagen als Inspirationsquelle. Eine davon war die Dreißigerjahre-Filmserie rund um den galaktischen Abenteurer „Flash Gordon“. Später, nach dem durchschlagenden Erfolg des ersten Sternenkriegs, wollten viele auf den neuen Zug aufspringen. So entstand der erste „richtige“ Flash-Gordon-Film auf Basis der Comicvorlage von Alex Raymond. Dieser gehört zu den wahnwitzigsten Kino-Erzeugnissen der frühen Achtziger: Er ist zu gleichen Teilen billig und verschwenderisch, monumentales Sci-Fi-Epos und Weltraumklamotte, Camp-Karneval und Kostümkatastrophenkino, Effektspektakel und (Selbst-)Parodie. Vor waberndem Lavalampen-Hintergrund kämpft Flash (Sam J. Jones im Ken-Puppen-Look) gegen den bösen Imperator Ming (Max von Sydow als diabolischer Schnurrbartzwirbler), Euro-Sexsymbol Ornella Muti macht auf Wühlkisten-Barbarella, Falkenmänner mit Laserkanonen sausen durch die Luft, kurzum: Hier findet sich das Bindeglied zwischen „Der Zauberer von Oz“, „Dune“ von David Lynch und Joel Schumachers „Batman & Robin“-Phantasmagorie. Unvergessen auch der Titelsong von Queen: „FLASH! AA-AAAH!“

 

The Hurt Locker

Von Kathryn Bigelow, 2008
Zu sehen auf Amazon

„War is a drug“, prangt als Epigraph am Anfang von Kathryn Bigelows „The Hurt Locker“. In „Point Break“ inszenierte Hollywoods intelligenteste Action-Regisseurin Verbrechen als Adrenalinrausch und Bankräuber als draufgängerische Freigeister. Hier wechselt sie ins Kriegsfilm-Genre – und politisiert ihren Zugang. Der Bombenentschärfer William James (Jeremy Renner) riskiert im Irak täglich sein Leben – und aufgrund seiner Waghalsigkeit auch das seiner Teammitglieder. Bigelow bietet eindringliches Körperkino, lotet aber auch die Ambivalenzen des dritten Golfkriegs aus. Dafür ging der Regie-Oscar erstmals in der Geschichte der Academy Awards an eine Frau.

 

Talladega Nights

Von Adam McKay, 2006
Zu sehen auf Sky

„Talladega Nights“ (zu Deutsch „Ricky Bobby – König der Rennfahrer“) ist vielleicht nicht der lustigste, aber insgesamt wohl der gelungenste Teil der famosen Mannskind-Tetralogie von Komödiant Will Ferrell und Regisseur Adam McKay. Wieder gibt Ferrell einen maßlosen Selbstüberschätzer: Den Rennfahrer Ricky Bobby, der, seit er denken kann, nur ein Ziel vor Augen hat – die Überholspur. Zusammen mit seinem besten Kumpel (John C. Reilly) machen sie das heiße NASCAR-Pflaster unsicher und leben dank großzügiger Sponsorendeals die Vulgärversion des amerikanischen Traums. Erst die Ankunft eines schwulen, Jazz-hörenden Konkurrenten aus Frankreich (Sacha Baron Cohen) stellt Bobbys Weltbild in Frage. Eine herzliche, rasante und g'scheit blöde USA-Satire.

 

Ferris macht blau

Von John Hughes, 1986
Zu sehen auf Netflix

Weil Ferris (Matthew Broderick) keine Lust hat, die letzten Tage vor Schulschluss im Klassenzimmer zu verschwenden, täuscht er eine Grippe vor. Und weil er ein richtig cooler Hund ist, belässt er es nicht dabei, sondern düst in Papas Ferrari mit der Freundin und dem besten Haberer im Schlepptau schnell mal nach Chicago, um dort unbemerkt von den Eltern einen draufzumachen. Seinem dauerfrustrierten Schuldirektor, der verzweifelt die Verfolgung aufnimmt, geht er dabei stets immer durch die Lappen. „Ferris macht blau“ ist einer von vielen John-Hughes-Jugendfilmen, die man entweder liebt oder hasst – aber fraglos emblematisch für den Mittelstands-Zeitgeist der Reagan-Ära.

 

Merida – Legende der Highlands

Von B. Chapman, M. Andrews, 2012
Zu sehen auf Sky

Abenteuerfilme mit weiblichen Protagonisten sind (zumindest im Westen) nach wie vor eine Seltenheit. 2012 unternahm das erfolgsverwöhnte Animationsstudio Pixar den Versuch, im Hinblick auf den eigenen Kinokatalog ein Korrektiv zu setzen. „Merida – Legende der Highlands“ handelt von einer schottischen Prinzessin, die sich nichts sehnlicher wünscht, als auf ihrem treuen Rappen durch die Wälder zu galoppieren, ihre königlichen Pflichten hinter sich zu lassen und als Bogenschützin Ruhm und Ehre zu erlangen. Das geht ihrer Mutter gehörig gegen den Strich: Sie hat Angst, dass der Friede im Reich zusammenbricht, sollte die alte Ordnung unterhöhlt werden. Zu dieser gehört auch die Verheiratung der Tochter an den Spross eines anderen Clans. Um sich diesem Schicksal zu entziehen, konsultiert Merida eine Hexe – und verwandelt Mama versehentlich in einen Bären. Nun sind die beiden erst recht aufeinander angewiesen . . . Zur Zeit seines Erscheinens ging „Brave“, wie der Film im Original heißt, etwas unter. Aber rückblickend handelt es sich um ein mitreißendes, visuell berauschendes Emanzipations-Märchen – mit erfreulichem Schwerpunkt auf die Vertracktheiten von Mutter-Tochter-Beziehungen.

 

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