Studie: Europa besser globalisiert als USA

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Die EU-Staaten, darunter Österreich, sind besser vernetzt und offener. Sie können dadurch größere Gewinne aus der Globalisierung ziehen als die Vereinigten Staaten.

Gütersloh. Der Abbau von Handelshemmnissen, ein Verzicht auf Beschränkungen, die gute internationale Vernetzung sowohl der Politik als auch der Bevölkerung zahlen sich aus. Der neue „Globalisierungsreport“, eine Auswertung der Bertelsmann Stiftung, die am morgigen Freitag offiziell vorgestellt wird, belegt, dass die EU-Staaten seit 1990 von der Globalisierung deutlich mehr profitieren konnten als die USA oder China. In Österreich lagen die Einkommensgewinne durch die zunehmende Teilnahme am globalen Markt in diesem Zeitraum demnach pro Person bei 1080 Euro (kaufkraftbereinigt), in den USA im Vergleich nur bei 445 Euro. Am meisten profitierten die Schweizer mit Einkommenszugewinnen von jährlich 1805 Euro. Deutschland kam auf 1324 Euro.

„Der Report zeigt: Globalisierung kann eindeutig Wohlstandsgewinne schaffen. Protektionismus ist der falsche Weg“, so Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung. Er schränkt allerdings auch ein, dass die Globalisierung künftig so gestaltet werden müsse, „dass der Mensch im Mittelpunkt steht“.

Laut dem Globalisierungsindex (siehe Grafik), einer Bewertung der wirtschaftlichen, politischen und sozialen Vernetzung, weisen Irland, die Niederlande und Belgien die besten Voraussetzungen für ein erfolgreiches internationales Mitwirken aus. Untersucht wurden insgesamt 42 Länder. Bis auf die Schweiz liegen ausnahmslos EU-Länder in den Top Ten des Index. Österreich kam auf Platz sieben. Die USA belegten Platz 28, China Platz 39. Schlusslicht ist Indien. Der Index setzt sich aus zahlreichen Indikatoren zusammen – etwa dem Waren- und Dienstleistungshandel, der Teilnahme am Kapitalverkehr, der Zahl der persönlichen Kontakte mit Vertretern anderer Länder, Tourismus, Migration, aber auch der Zahl der internationalen Verträge, außenpolitischen Aktivitäten sowie der Mitgliedschaft in internationalen Organisationen. Neben den Voraussetzungen für eine optimale Teilnahme an der Globalisierung wurden auch die damit verbundenen Wohlstandsgewinne herausgerechnet.

 

China weit abgeschlagen

Überraschend sind die Ergebnisse zu China: Gemessen am Handel wäre das Land zwar Exportweltmeister, doch die vergleichsweise geringe globale Vernetzung ergibt sich laut der Studie durch starke Beschränkungen auf dem Kapitalmarkt und die hohen Einfuhrzöllen. Außerdem dominiert China zwar international mit seinen Warenexporten, ganz anders sieht es aber mit seinen eher geringen Dienstleistungsexporten aus.

Im Fall der USA orten die Experten der Bertelsmann Stiftung kaum noch Bemühungen, die Teilnahme an der Globalisierung zu verbessern: „Ausgehend von einem hohen Globalisierungsgrad bauen die USA ihre internationalen Verflechtungen seit 1990 kaum aus. Entsprechend verhalten sich die Zuwächse beim BIP pro Kopf.“ Wobei eingeschränkt werden muss, dass es normal ist, dass kleinere Industrieländer in Relation mehr Handelsaktivitäten mit dem Ausland betreiben als große Industrienationen wie eben die USA, deren eigener Binnenmarkt relativ groß ist und ausreichend Möglichkeiten zur Entfaltung bietet.

Wie sich in der gesamten Auswertung zeigt, profitieren Menschen in Industrieländern am stärksten von der gegenseitigen wirtschaftlichen Vernetzung. Problematisch ist allerdings, dass die Globalisierung – wie auch diese Studie belegt – die Einkommensschere zwischen diesen Industrieländern auf der einen und den Schwellen- und Entwicklungsländern auf der anderen Seite vergrößert. Wörtlich heißt es in der Analyse: „Diese wachsende Einkommensungleichheit ist eine Gefahr für die Weltwirtschaft, weil sie in den negativ betroffenen Schwellen- und Entwicklungsländern den Ruf nach protektionistischen Maßnahmen lauter werden lassen könnte.“ Zudem warnen die Experten vor politischen Querschüssen auch in den wohlhabenderen Ländern: „Der wachsende Zuspruch, den globalisierungskritische Parteien und Politiker in vielen westlichen Industrienationen finden, ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Globalisierungsgewinne nicht allen Bürgern eines Landes zugutekommen. Auch diese Entwicklung kann zu einem wachsenden Protektionismus führen.“