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Online-Shopping

Einzelhandel: Immobilien werden zunehmend zum Ladenhüter

Symbolbild Einzelhandel, Geschäfte
Symbolbild Einzelhandel, GeschäftePixabay
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EHL-Marktbericht: Shoppen via Internet setzt stationärem Handel zu.

Shoppen via Internet setzt die klassischen Einzelhandelsgeschäfte weiter unter Druck - die Kundenfrequenz sinkt, Leerstände häufen sich, wie aus dem aktuellen Marktbericht des Immobiliendienstleisters EHL zum ersten Halbjahr 2017 hervorgeht. Vor allem Elektronik, Bücher, Mode und Schuhe werden verstärkt online gekauft. Die Nachfrage nach Einzelhandelsimmobilien sinkt.

Stationäre Geschäfte sind nicht mehr so gefragt wie früher - und wenn, dann nur in absoluten Top-Lagen. Die Filialnetze werden verkleinert und die Mieten gehen angesichts der sich abschwächenden Nachfrage tendenziell zurück.

"In den kommenden Jahren werden in Österreich mehr Flächen vom Markt genommen werden als hinzukommen", rechnet der Leiter der Abteilung Einzelhandelsimmobilien bei EHL, Jörg Bitzer, mit einer Verstärkung des Trends in Richtung Online-Shopping.

Bei erfolgreichen Einkaufszentren werde es dennoch immer wieder Erweiterungen geben, allerdings nur dann, wenn die zusätzlichen Flächen bereits vorab verwertet werden könnten. "Flächenproduktion ohne umfangreiche Vorverwertungen wird es kaum mehr geben", ist sich Bitzer sicher.

"Spürbare Zurückhaltung"

Der Handelsimmobilienmarkt war heuer im ersten Halbjahr dem EHL-Marktbericht zufolge jedenfalls "vor allem von der spürbaren Zurückhaltung von Investoren und Entwicklern" geprägt. Eine spekulative Erweiterung der Shopping-Center "kommt de facto nicht mehr vor", es sei denn die Vermietung sei bereits vor Baustart gesichert, heißt es auch dort. Derzeit ausgebaut werden etwa das Auhof Center in Wien (von 140 auf 200 Geschäfte) und der Murpark in Graz (um 6.500 Quadratmeter).

In den anderen etablierten Einkaufszentren ist man indes intensiv um Attraktivität bemüht: Es wird auf Hochtouren umgebaut und revitalisiert, beispielsweise in der SCS in Vösendorf bei Wien und in der Shopping City in Seiersberg bei Graz. Dabei werde besonderer Wert auf die architektonische Gestaltung gelegt. Da die Kundenfrequenz generell sinkt, wird zudem das Gastronomie-Angebot im gehobeneren Segment ausgeweitet, um die Verweildauer der Besucher in den Shopping-Malls zu erhöhen und auf diesem Umweg die Umsätze auch mit weniger Kunden stabil zu halten.

Belebung durch internationale Marken

Die Verschiebung der Flächenanteile hin zu Gastronomie werde in den kommenden Jahren ein bestimmender Faktor bleiben, erwartet der Gewerbeimmobilien-Consulter EHL. Mittelfristig erscheint demnach je nach Standort ein Anteil von 15 bis 25 Prozent für Gastro-Flächen in Shopping-Malls realistisch.

Für eine Belebung im etwas eingeschlafenen Einzelhandel sorgen einzig die zahlreichen Markteintritte neuer internationaler Marken. Die holländische Warenhauskette Hema eröffnete heuer einen Shop auf der Wiener Mariahilfer Straße und am Westbahnhof, weitere Filialen in den Bundesländern sind laut EHL geplant. Auf der Kärntner Straße startete das Feinkostunternehmen Cheese & More ein Geschäft. Auf Expansionskurs sind Apple mit dem neuen Flagshipstore auf der Kärntner Straße und die Amsterdamer Modekette Scotch & Soda, die eine zweite Wiener Filiale auf der Mariahilfer Straße plant.

Spitzenmieten bis zu 400 Euro pro Quadratmeter und Monat sind aber an immer weniger Standorten zu berappen - etwa in den von Luxuslabels dominierten Top-Lagen Goldenes Quartier, Kohlmarkt und Graben in der Wiener Innenstadt. In den vier bestbesuchten Wiener Einkaufszentren SCS, Donauzentrum, Auhof Center und Wien Mitte blieben die Mieten zuletzt mit 40 bis 120 Euro pro Quadratmeter und Monat stabil.

Die finanziellen Turbulenzen des Möbelhändlers Kika/Leiner, der von der Signa-Gruppe rund um den Tiroler Immobilieninvestors Rene Benko übernommen wurde, werden sich laut EHL "kaum auf den Einzelhandelsimmobilienmarkt auswirken". Eventuelle Schließungen hätten kaum negative Effekte auf andere Lagen zur Folge. Die Kika/Leiner-Krise würde auch von internationalen Immobilieninvestoren als "isoliertes Managementproblem" gewertet. Die Nachfrage nach Investments im Retailsegment werde durch dieses Ereignis nicht gedämpft.

(APA)