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"Rabenschwarzer Tag": Gewerkschaft protestiert gegen Arbeitszeitgesetz

GEWERKSCHAFTSAKTION
Mit einer Straßenwalze wurden bei der Protestaktion vor dem Sozialministerium mehrere Kartons niedergewalzt.APA/HERBERT PFARRHOFER
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Ab dem morgigen Samstag gilt die neue Regelung. Die Regierung mache damit Errungenschaften der Arbeitnehmer "platt".

Für Franz Georg Brandtner, Vorsitzender der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp), wird der erste September als "rabenschwarzen Tag" in der Geschichte der Arbeiterbewegung eingehen. Denn dann gilt das neue Arbeitszeitgesetz, in dem eine Anhebung der Höchstarbeitszeit auf 12 Stunden pro Tag und 60 Stunden pro Woche vorgesehen ist. Er sei gespannt, ob die Wirtschaft tatsächlich halte, was sie bisher proklamiert habe und die Regelung zum Nachteil der Arbeitnehmer nicht ausnutzte, sagte Brandtner.  Sozialministerin Hartinger-Klein (FPÖ) sei für ihn viel eher "Sozialabbauministerin". Randtner kündigte weiteren Widerstand an.

Sandro Beer von der Gewerkschaft der Post und Fernmeldebediensteten (GPF) legte nach. "Für die Profitgier der Bundesregierung wird den Arbeitnehmern die wertvollste Zeit im Leben gestohlen, die Zeit der Kindererziehung", so Beer. Vor allem die Alleinerziehenden würden hier schwer benachteiligt.

Kern: "Drüberfahren der Regierung"

Kritik kam auch von SPÖ-Chef Christian Kern: "Die Beschlüsse der Regierung zum verpflichtenden 12-Stunden-Tag und zur 60-Stunden-Woche sind ein schwerer Fehler, der sinnbildlich für das Drüberfahren der Regierung über die Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer steht. Klubchef Bruno Rossmann von der Liste Pilz sagte am Rande einer Pressekonferenz, man werde sich auch genau anschauen, wie die Freiwilligkeit gehandhabt werde. Er glaube nicht, dass das funktioniere, so Rossmann.

Martin Gleitsmann, Leiter der Sozialpolitischen Abteilung in der Wirtschaftskammer Österreich, verteidigte die neue Regelung. Man werde rasch sehen, dass die Panikmache rund um flexiblere Arbeitszeiten unbegründet war.  Auch Wirtschaftsbund Generalsekretär René Tritscher äußerte sich zu den Protesten: "Es geht nicht darum, mehr zu arbeiten, sondern vielmehr darum, anders zu arbeiten. Am 8-Stunden-Tag und einer 40-Stunden-Woche wird nicht gerüttelt!"

Der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Christoph Neumayer, forderte auf, statt auf beleidigte Fundamentalopposition zu setzen, sollte nun die Arbeitszeitmodernisierung fair gemeinsam gestaltet und zu beiderseitigem Nutzen gelebt werden.

(APA)