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Wissenschaftsfestival: Einladung zum Staunen

Physiker Bernhard Weingartner.
Physiker Bernhard Weingartner.(c) Bargad/APA

Forscher präsentieren zum 50-jährigen Bestehen des Wissenschaftsfonds FWF fünf Tage lang ihre Arbeit.

Wien. „Ach, die Wissenschaftler kommen am Wochenende“, sagt eine oberösterreichische Touristin. „Wir sind aber jetzt schon neugierig.“ Sie interessiert sich für das Physikmobil von Bernhard Weingartner, der kurz zuvor – mitten am Maria-Theresien-Platz zwischen Natur- und Kunsthistorischem Museum – brennendes Benzin mit Haarshampoo gelöscht hat.

Aufgabe des an der TU Wien tätigen Wissenschaftskommunikators ist es nämlich, Menschen für Forschung zu begeistern. Er stimmte damit am Mittwoch vorab auf das Wissenschaftsfestival „Be open“ ein, das hier ab Samstag fünf Tage lang stattfinden wird: ein öffentliches Geburtstagsfest des Wissenschaftsfonds FWF, der damit sein 50. Jubiläum feiert.

Dazu sind bereits 18 weiße Pavillons aufgebaut, in denen Forscher ihre Arbeit begreifbar machen sollen. „Wir machen die Veranstaltung mitten im Zentrum der Stadt, um ein Zeichen zu setzen, dass auch die Forschung mitten in der Gesellschaft steht“, sagt FWF-Präsident Klement Tockner.

 

Verborgenes sichtbar machen

Wissenschaftler von 45 – universitären und außeruniversitären – Einrichtungen beteiligen sich. Sie sollen „den Dialog mit den Menschen führen“, so Tockner. Geschichten sollen die Forschung lebendig machen, etwa im Pavillon zur Astronomie. Dort werden Wissenschaftler erklären, wie im Weltall Verborgenes sichtbar wird und sich so Neues im Universum entdecken lässt. Im Pavillon zur Migrationsforschung wird ein Gabentisch mit Nahrungsmitteln und Nutztieren aufgebaut, der zeigen soll, welche Entwicklungen Migranten mitgebracht haben. Dass Gletscher ein Gedächtnis haben, wird ein paar Zelte weiter erklärt. Durch die Klimaerwärmung freigelegte Funde geben aber nicht nur Einblicke in die Vergangenheit, sondern erlauben auch Prognosen für die Zukunft.

 

Forschung braucht Sackgassen

Parallel zum Programm in den Pavillons wird die FWF-Dialogarena, ein etwas größeres Festzelt, bespielt. Dort stehen Vorträge und Diskussionen am Programm. Bei der Eröffnungsmatinee am Samstag spricht dort etwa – neben dem Schirmherrn der Veranstaltung, Bundespräsident Alexander van der Bellen – Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann, Preisträgerin des diesjährigen Friedenspreises des Deutschen Buchhandels.

Und am Samstagabend hat Physiker Weingartner hier einen weiteren Auftritt. Er moderiert einen Science Slam, einen Wettbewerb, bei dem Forscher ihre Arbeit in nur sechs Minuten erklären. Sie schildern auch, wie sie dabei bereits gescheitert sind. „Forschung braucht Sackgassen“, so Weingartner. Bei einer Idee wisse man ja vorab nicht, ob sie zum Erfolg führe. „Faszination hat keine Anwendungsrelevanz“, sagt dazu auch FWF-Präsident Tockner. Dennoch würden durch die Entwicklung neuer Methoden nicht erahnte Anwendungen entstehen.

Beim Wissenschaftsfestival soll es aber primär ums Staunen gehen. Erfüllen sich die Erwartungen der Veranstalter, könnten der Einladung rund 10.000 Besucher folgen.

Auf einen Blick

Das Be-Open-Festival des Wissen-schaftsfonds FWF findet von 8. bis 12. September am Maria-Theresien-Platz zwischen Natur- und Kunsthistorischem Museum statt (U3- oder U2-Station Volkstheater). Neben Wissenschaft zum Angreifen in 18 Pavillons gibt es Vorträge und Diskussionen sowie ein eigenes Kinderprogramm.

Mehr: www.fwf.ac.at/beopen

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.09.2018)