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Sarah Anna Fernbach: „Ich drück einfach auf Play“

„Aussagen, die nichts aussagen“: Nachwuchs-Slammerin Sarah Anna Fernbach.
„Aussagen, die nichts aussagen“: Nachwuchs-Slammerin Sarah Anna Fernbach.(c) Clemens Fabry

In Klagenfurt geht Österreichs Poetry-Slam-Meisterschaft ins Finale. Sarah Anna Fernbach hat heuer schon in Deutschland die U20 gewonnen.

Gut, dass es YouTube gibt. Manches von dem, was Sarah Anna Fernbach da gereimt von sich gibt, wenn sie „Aussagen, die nix aussagen“ zerlegt, ist nämlich so schnell, dass man gern einmal auf Stopp drückt und noch einmal zurückspult.

Bei einem echten Poetry-Slam geht das natürlich nicht, aber Fernbach sieht darin auch kein Problem. Wenn Menschen nicht immer gleich alles verstehen, „sehe ich das als Kompliment“. Außerdem: Gerade in den zungenbrecherisch schnellen Passagen gehe es ihr eher um einen Eindruck als um den Inhalt. „Es ist einfach ein Stilmittel.“ Und es passiere öfter, dass Leute, die einen Text schon kennen, danach fragen und ihn wieder hören wollen. „Wie bei einem guten Lied.“

Wenn dabei jemand aus ihrem Bekanntenkreis vor drei Jahren gehört hätte, dass sie allein auf einer Bühne stehen würde, der hätte allenfalls gelacht. Zu ruhig und introvertiert sei sie immer gewesen. Gut ein Jahr vor ihrem ersten Auftritt, erzählt die Oberösterreicherin aus Pasching, hatte ihre Cousine sie mit in die Linzer Tabakfabrik geschleppt, wo monatlich ein Poetry Slam stattfindet. „Wir haben beide nicht gewusst, was uns erwartet.“ Insgeheim, gesteht sie, sei sie durchaus skeptisch gewesen. „Menschen tragen selbst geschriebene Texte vor – ich hab gedacht, das wird voll langweilig.“ Tatsächlich sei sie dann sehr überrascht gewesen, „wie lebhaft es ist“.

Ein Jahr lang blieb sie interessierte Zuschauerin, im Jänner 2016 hielt sie im Linzer Solaris das erste Mal selbst das Mikro in der Hand. Nicht ganz aus freien Stücken – Freundinnen, denen sie einen Text gezeigt hatte, hatten sie quasi genötigt. „Aber ich habe diesen Schubser wohl gebraucht.“ Und freilich sei sie „sehr, sehr nervös“ gewesen, „aber danach waren die Freude und die Erleichterung so groß, dass ich am liebsten gleich noch einen Text vorgetragen hätte“. Gewonnen hat sie damals auch, wie auch ihren zweiten Auftritt im Wiener Loft.

„Es ist schnell gegangen, dass ich sehr integriert war“, resümiert sie ihren Einstieg in die Szene. „Ich habe mich schnell sehr wohl gefühlt, weil die Leute offen auf einen zugehen und einen herzlich aufnehmen. Ich hab mir sofort gedacht: Da mag ich bleiben.“

„Verliebt in Sprache“

Inzwischen gehört sie zu den Profis, tourt durch Österreich, Deutschland und die Schweiz. Bei den Österreichischen Poetry-Slam-Meisterschaften, die seit Donnerstag im Klagenfurter Konzerthaus stattfinden, steht sie heute im Finale. Erst im September hat sie in Paderborn die deutschsprachige Poetry-Slam-Jugendmeisterschaft gewonnen. Dort haben sie und ein Kollege noch unfreiwillig für einen Running Gag gesorgt – weil beide im Halbfinale und praktisch hintereinander mit einem Text übers Schlafen antraten. Dornröschen, die eigene Abneigung gegen Frühaufstehen, sogar Rappassagen – alles kam bei beiden vor. Und fiel dann so unterschiedlich aus, dass beide ins Finale – und ins Stechen kamen (das Fernbach für sich entschied).

Der Sieg habe vor allem dafür gesorgt, „dass ich jetzt noch mehr herumkomme“. Im Dezember ist sie in Hamburg, im Jänner in Berlin. Im Vergleich zu Deutschland ist die Szene in Österreich noch vergleichsweise klein. Aber sie wächst seit mehr als einem Jahrzehnt stetig und, nach der Etablierung in den Landeshauptstädten, auch in ländlicheren Regionen. Voriges Wochenende war Fernbach etwa in Aich-Assach bei Schladming, der rote Teppich führte dort in die Holzhütte des neuen A-Quartier beim Freizeitsee. Der dortige Slam feierte heuer auch schon sein Zehn-Jahr-Jubiläum; und auch wenn er nur einmal im Jahr stattfindet, hat auch er sein Stammpublikum. „Ich finde es wertvoll, dass es heute die Möglichkeit gibt, dass Leute die Texte, die sie im stillen Kämmerlein schreiben, nach außen tragen“, sagt Fernbach. Sie selbst fasziniert dabei vor allem der kreative Sprachgebrauch. „Ich bin verliebt in Sprache.“

Mit ihren Wortspielen behandelt Fernbach, die inzwischen seit zwei Jahren in Wien Wirtschaftsrecht studiert, am liebsten auf lustige Weise alltägliche Themen (Duschen, oder ihr eigenes Herz als Organ). Das Auswendiglernen fällt ihr leicht, „weil es ja aus meiner Feder stammt, ist mir die Satzstruktur vertraut“. Ein bisschen sei es wie ein Lied, „das sich in meinem Kopf abspielt. Ich drück auf Play, und dann rennt das durch.“

AUF EINEN BLICK

In Klagenfurt findet am Samstag, erstmals in Kärnten, das Finale der 12. Österreichischen Poetry-Slam-Meisterschaften statt. Veranstalter ist der Kulturverein Slam If You Can von Carmen Kassekert, der seit 2010 Poetry Slams in Kärnten organisiert. Seit Donnerstag sind 32 Poetinnen und Poeten, die vorab nominiert wurden, in vier Vorrunden gegeneinander angetreten. Zehn stehen um 20.30 Uhr im Konzerthaus im Finale. Zuvor wird um 18 Uhr das beste Slam-Team Österreichs ermittelt. Wie immer entscheidet eine Publikumsjury.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.10.2018)