Wer ist der Chef?

(c) Carolina Frank

Der Hund verlangt nach klaren Hierarchien. Dieses sein Weltbild zieht sich durch alle Lebensbereiche: Er unterscheidet klar zwischen Kindern, Frauen und Männern.

Seit ins Drehbuch dieser "Sitcol" ein Hund hineingeschrieben wurde, sind die fein austarierten Abläufe zu Hause durcheinandergeraten. Der Hund ist zwar über den Jahreswechsel stubenrein geworden, doch nachdem dieses wichtigste hygienische Problem gelöst ist, bleibt immer noch ein (quasi) politisches übrig.

Während unser Rudel nach einer komplizierten, über Jahrzehnte entwickelten, auch für die Beteiligten kaum mehr durchschaubaren Matrix von Wechselwirkungen funktioniert, verlangt der Hund nach klaren Hierarchien. Wir sagen ihm: Mal bestimmt diese, mal jener, je nachdem, aber prinzipiell nach Möglichkeit alle miteinander und wenn es Zweifel gibt, wird jedenfalls einmal ausgiebig darüber diskutiert. Er besteht stur auf die Frage: "Wer ist der Chef?"

Dieses sein Weltbild zieht sich durch alle Lebensbereiche: Er unterscheidet klar zwischen Kindern, Frauen und Männern (man berauft tiefe Stimmen oder unterwirft sich ihnen, bei hohen Stimmen versucht man zuerst zu kuscheln, Kinder nimmt man nicht ernst, schiebt sie dorthin, wo man sie grad haben will), er beißt nie die Hand, die ihn füttert, schaut aber immer, ob nicht irgendwer doch schwächer ist als er, um ihn unterzubuttern, und steht dem Vorhaben, sich so weit wie möglich fleischfrei zu ernähren (der Mittlere versucht gerade wieder, das Rudel dazu zu bringen, mit dem Vegetarismus ernst zu machen), grundsätzlich ablehnend gegenüber.

Wäre er kein Hund, hätten wir nicht viel gemeinsam, so aber teilen wir das Schlafzimmer (da ich schon weiß, was gleich kommt: Nein, ins Bett darf er nicht!). Bevor ich mich daran mache, seine Weltanschauung zu korrigieren, muss ich erst schauen, dass er auch kommt, wenn ich ihn rufe. Was deutlich leichter wäre, wenn wir wüssten, wer eigentlich der Chef ist.