premium

Die digitalen Schlafwandler

Hier, in der Meldestelle des Cyber-Crime-Competence-Centers des Bundeskriminalamts, landen täglich 100 Fälle von Internetkriminalität. Manche Opfer sind „so sorglos“.
Hier, in der Meldestelle des Cyber-Crime-Competence-Centers des Bundeskriminalamts, landen täglich 100 Fälle von Internetkriminalität. Manche Opfer sind „so sorglos“.Daniel Novotny

Angriffe aus dem Internet kann heute praktisch jeder starten. Auch ohne Vorwissen. Und trotzdem regiert unter uns, den möglichen Opfern, die digitale Sorglosigkeit. Über ein gewaltiges Problem.

Der Mitarbeiter des Bundeskriminalamts (BK) steht vor seinen drei Monitoren und schüttelt den Kopf. Schon seit einiger Zeit versuche er einer Frau zu erklären, dass der Mann, der sie per E-Mail angeschrieben hat, kein Ex-UNO-Mitarbeiter und Pilot ist, der nun ganz dringend ihre Hilfe braucht. Aber er dringt nicht zu ihr durch. Die Frau hat schon Geld auf ein Konto überwiesen. Sie hat jetzt keines mehr. Aber dass sie einem Betrüger aufgesessen ist, das glaubt sie nicht. Das will sie nicht glauben. „So sorglos!“, entfährt es dem Beamten. Wenn man den BK-Mann richtig deutet, dann kann ihn die Blauäugigkeit mitunter zur Verzweiflung treiben, die ihm hier in seiner Arbeit im Cybercrime-Competence-Center(C4) des Bundeskriminalamts begegnet.

Nun sind Betrügereien und Cyberangriffe nicht immer so plump. Und die Opfer nicht immer so naiv. Aber wir sind leichte Ziele. Viele von uns.

Knapp 60 Mitarbeiter hat die Cybereinheit, ein Drittel der Ermittler sind Quereinsteiger, also IT-Experten aus der Privatwirtschaft. Aber es gibt noch freie Stellen, sie finden nicht genügend qualifiziertes Personal. Die Privatwirtschaft zahlt besser, viel besser. Das Problem kennt auch die deutsche Bundeswehr, die sich plagt, Hacker für ihre neue Cyberabwehr zu rekrutieren. 700 Fälle von Internetkriminalität melden die Österreicher den „Cybercops“ hier pro Woche. Die Dunkelziffer ist bedeutend höher.

Mehr erfahren

Piano Position 1