Elektro-Pop

Ein "Good Girl" für den Song Contest

„Beauty is only skin-deep“, singt sie: Paenda beim Prä-Song-Contest-Posieren.
„Beauty is only skin-deep“, singt sie: Paenda beim Prä-Song-Contest-Posieren.(c) APA/ORF/THOMAS RAMSTORFER

Die 31-jährige Steirerin Gabriela Horn alias Paenda wird Österreich beim 64. europäischen Wettsingen in Tel Aviv vertreten.

In der Früh sehe sie wie ein Panda aus: Mit – von Song-Contest-Teilnehmerinnen nicht gewohntem – Witz beantwortete Gabriela Horn im APA-Interview die Frage, warum sie sich denn als Künstlerin Paenda nennt. Auch ihre bisherigen musikalischen Produkte klingen durchaus unkonventioneller, als man es sich beim traditionellen europäischen Wettsingen erwartet.

Auf ihrem ersten, im Februar 2018 erschienenen Album „Evolution“ hört man ihre Stimme oft in frostiger Verfremdung (etwa in „Waves“), aber doch mit Leidenschaft, garniert mit technoiden Geräuschen, über bald schwer lastenden, bald stolpernden, bald zitternden Beats: Elektro-Pop, der an Roisin Murphy und die schwedische Sängerin Robyn erinnert, manchmal sogar an die junge Björk. Wie diese spielt sie etwa in „Plastic Illusions“ mit keimender Angst; in „Iris“ unterlegt sie ihrem biegsamen Gesang quicke Synthie-Rhythmen à la Human League; noch poppiger, aber auch nicht banal, wirkt sie in „Good Girl“, das mit dem Geräusch eines Feuerzeugs beginnt: Zu rhythmischem Ploppen zitiert sie auch eine Zeile des großen Motown-Soulsängers Smokey Robinson: „Beauty is only skin-deep.“

 

„Grenzen lösen sich auf“

Dass Horn, die heute in Wien Ottakring wohnt, laut Biografie in der Steiermark geboren ist, hört man ihrer Musik genauso wenig an wie der ihrer Kolleginnen Anja Plaschg alias Soap & Skin (geboren in Gnas) und Eva Jantschitsch vulgo Gustav (aufgewachsen in Graz), wobei sich diese beiden freilich nie beim Song Contest betätigt haben. Eine „wunderbare Veranstaltung“ nennt Paenda diesen und führt, wohl mit ein wenig Schalk im Nacken, in gängigsten Phrasen aus: „Musik wird zur universellen Sprache, Grenzen lösen sich auf, und es wird gezeigt, dass Liebe bunt, vielfältig und in keine Schublade einzuordnen ist.“

Horn schreibt ihre Songs selbst, live lässt sie sich von ihrer Schwester und einer Freundin begleiten. Den Song „Limits“, eine „atmosphärisch aufgeladene Electronic-Pop-Ballade“, die sie beim Song Contest in Tel Aviv singen wird, hat sie nicht eigens dafür komponiert. Er soll vom ORF in den nächsten Wochen vorgestellt werden. Ein bisschen glatter als ihr Album „Evolution“ werde er schon sein, sagt sie, wie auch ihr zweites Album „Evolution II“, das am 26. April erscheinen soll – bei Wohnzimmer Records, einem kleinen, aber renommierten Wiener Label, das auch Christoph & Lollo, Kreisky, Fuzzman und Robert Rotifer vertreibt.

Für den Song Contest ausgesucht wurde Paenda nicht, wie lang üblich, in einer öffentlichen Vorentscheidung, sondern von einer internen Jury. Das hat sich gleich beim ersten Mal 2014 bewährt: Damals errang Conchita Wurst den ersten Platz. Die 2015 wieder per Voting bestimmten Makemakes kamen auf den letzten, Zoë Straub 2016 auf den 13. Platz. Seitdem bestimmt eine Jury unter Leitung von Eberhard Forcher. Sie schickte 2017 Nathan Trent (16. Platz), 2018 Cesár Sampson (3.) und nun eben Paenda. Als „ebenso starke wie sensible, junge, moderne Frau“ bezeichnete ORF-Programmdirektorin Kathrin Zechner diese, und Paenda verkündete ihr Selbstbild: „Ich bin zielstrebig, offen und möchte die Welt zum Guten verändern.“ Am 14. oder 16. Mai beim Halbfinale in Tel Aviv, im glücklichen Fall auch beim Finale ebendort am 18. Mai.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.01.2019)