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Ex-Geheimdienst-Chef: "Zurück in die Welt des 19. Jahrhunderts"

Sir John Sawers
Sir John SawersStanislav Kogiku

Die neue Weltordnung basiere kaum noch auf Regeln, sondern immer mehr auf der nackten Macht großer Mächte, findet der Ex-Chef des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6, Sir John Sawers.

Die globale Entwicklung gehe weg von einer auf Regeln basierenden internationalen Ordnung, warnt der frühere Chef des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6: Sir John Sawers im Gespräch mit der "Presse" über Wladimir Putin, Xi Jinping und die Rolle der Datenanalyse.

Die Presse: Sir John, Sie haben zuletzt wiederholt vor einem fragmentierten Westen gewarnt: Wegen den USA, die ihre Verbindungen zu Europa immer mehr lockern, dem Vereinigten Königreich, das sich aus der EU verabschiedet. Wohin wird uns diese Fragmentierung führen?

Sir John Sawers: Die kurze Antwort: Wir wissen nicht, wo uns die Fragmentierung hinführen wird. Wir haben in den vergangenen 30 Jahren gelernt, dass wir die Zukunft nicht exakt voraussehen können. Was wir aber sehr wohl sehen können, sind gravierende Trends und Belastungen. Dazu gehören die größer werdende Kluft zwischen den USA und Europa, die Herausforderungen, die sich aus dem Aufstieg der Volksrepublik China ergeben, die Wiederkehr Russlands als aggressiver Akteur auf der Weltbühne und die Spaltungstendenzen innerhalb der westlichen Politik. In früheren Jahren haben solche Belastungen zu offenen Konflikten geführt.

Aber die Welt hat sich weiterbewegt, Kriege zwischen Staaten sind heute weniger wahrscheinlich, wenn sie auch nicht völlig ausgeschlossen werden können. Aber nach wie vor gibt es Feindseligkeiten zwischen den großen Mächten, was für die ganze Welt eine Gefahr darstellt – beginnend mit Konflikten auf einer niedrigeren Stufe, ausgelöst etwa durch Cyberattacken.