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Die neue Lust am Akkordeon

Franziska Hatz im neuen Festival-T-Shirt für Harmonika-Fans.
Franziska Hatz im neuen Festival-T-Shirt für Harmonika-Fans.(c) Akos Burg
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Das Wiener Akkordeonfestival wird 20: Kuratorin Franziska Hatz über das Revival eines Instruments, ihre frische CD und die Suche nach einer Bleibe.

Mann würde ja vermuten, dass Franziska Hatz selbst das eine oder andere Mal mit ihrem Großmütterchen Hatz Salon Orkestar auf dem Akkordeonfestival aufgetreten ist, eher sie sich der Mitarbeit verschrieben hat. Das Gegenteil ist freilich der Fall. Eben erst frisch nach Wien übersiedelt, hatte sie sich 2007 einen Festivalpass reserviert, um ja alle Künstler hören zu können.

Bei der Kartenabholung stieß sie auf Organisator Friedl Preisl. Der bot ihr an Ort und Stelle unbeschränkten Zutritt gegen Mitarbeit. Inzwischen ist die Südsteirerin seit elf Jahren an dem Wiener Festival beteiligt, seit fünf fungiert sie als Programmkuratorin. All das seit jeher ehrenamtlich – das einmonatige Festival rund um die Ziehharmonika wird von der Liebe seiner Organisatoren zum Instrument am Leben erhalten (und musste schon mehrmals von Sponsoren wie den Okay-Märkten und dem Handyzubehör-Händler Mline gerade noch vor dem Aus gerettet werden).

Erfunden wurde es, wie so viele andere Festivals von Klezmore bis zum musikalischen Adventkalender, vom umtriebigen Preisl. Hatz wuchs hinein, vom Kartenabreißen über Künstlerbetreuung bis zum Engagement anderer Musiker, die sie auf ihren Konzertreisen kennen gelernt hat. Unterstützend, so Hatz, wirke der nicht unwesentliche Faktor, „dass der Friedl und ich gut miteinander können.“

 

Nah am Publikum

Dass sich ein Festival über vier Wochen hinweg in dieser Größe einem einzigen Instrument widme, sei übrigens weltweit ziemlich einzigartig, findet sie. Und obwohl es sich wachsender Zuschauerzahlen erfreue und Orte in ganz Wien bespielt, bleibe man bei Locations für allerhöchstens 450 Leute. So sei das Publikum den Künstlern stets nahe: „Das macht den Charme des Ganzen aus.“ Leute wie der Südtiroler Herbert Pixner oder Richard Galliano, Jazz-Größe aus Cannes und „der bekannteste Akkordeonspieler schlechthin“, seien üblicherweise nur in größerem Rahmen zu erleben.

Galliano ist heuer zum 20-Jahr-Jubiläum des Festivals nach längerer Pause wieder dabei – am Samstag spielt er mit dem „Upper Austrian Jazz Orchestra“ im Stadtsaal. Technik, sagt Hatz, sei nämlich das eine. „Das andere ist, wie man einen Ton formt, und da ist er ein ganz besonderer Künstler.“ Mit dabei ist (mit Cellistin Asja Valcic) auch Klaus Paier, der bei der ersten Ausgabe des Festivals das allererste Konzert gespielt hat.

Franziska Hatz selbst hat dann übrigens erst 2001 das erste Mal aufgespielt. Heuer tut sie das in neuer Formation: Gemeinsam mit Tino Klissenbauer wagt sie das Experiment, gleich zwei Akkordeons in den Mittelpunkt zu stellen. In Summe ist man bei Troi mittlerweile zu fünft, im Rahmen des Festivals wird am Samstag, dem 16. März, im Stadtsaal das erste gemeinsame Album präsentiert. Während das Großmütterchen vor allem tanzbare Musik spiele, sei das ruhigere Troi eher etwas zum Hören. Gipsy Swing, Pop und Chanson ist ihr Stil schon genannt worden. „Wir kreieren“, beschreibt es Hatz, „unsere eigene Form von Traditionals.“

Ihren eigenen Weg ist Hatz, unter Wein- und Kernölbauern im steirischen Grenzland aufgewachsen und eigentlich ausgebildete Sozialarbeiterin, immer schon gegangen. Mit sechs hatte sie ein kleines rotes Akkordeon bekommen. „Wir waren nicht reich, aber jedes Kind durfte sich ein Instrument aussuchen.“ Sie bekam sogar das teurere Modell. Wenn, meinte der Vater, dann ordentlich. Zu dessen Leidwesen lehnte sie jedwede Form des Humtata ab. „Der Kompromiss war dann das Wienerlied.“

Zum Jubiläum des Festivals gibt es übrigens erstmals Festival-T-Shirts. Neu ist auch ein Nachwuchskonzert im Ehrbarsaal. Apropos Nachwuchs: Da gebe es durchaus einige Junge – „und wahnsinnig viele, die das Akkordeonspielen in ihrer Kindheit gelernt haben und die jetzt wieder Lust drauf haben.“Ablesen lasse sich das auch am Zulauf zu den Workshops, die im Rahmen des Festivals (von Hatz selbst etwa am vergangenen Sonntag) angeboten werden. Sie habe den Eindruck, dass das Instrument gerade ein Revival erlebe, sagt Hatz. Zumal es – Beispiel: Granada – in allen möglichen Genres Verwendung finde. „Es geht zum Glück weg von diesem Volksdümmlichen.“

Was es nach 20 Jahren hingegen immer noch nicht gibt, ist ein Festivalbüro. Gearbeitet wird zu Hause oder im Café. Wenn sich Hatz etwas wünschen dürfte, wären das zwei (gesponserte) Sitzplätze und eine Nische, „gern auch in einem Co-Working-Space“.

Auf einen Blick

Franziska Hatz stammt aus einer Kernöl- und Weinbauernfamilie aus Pölten in der südsteirischen Gemeinde Klöch. Mit dem Großmütterchen Hatz Salon Orkestar mischt sie Einflüsse aus Klezmer, Balkan, Tango, Jazz und heimischer Musik. Zuletzt kooperierte man mit dem Trio Klok. Daneben entstand die Formation Troi: Album-Präsentation am 16. März im Stadtsaal. Das Akkordeonfestival feiert noch bis 24. März in ganz Wien sein 20-Jahr-Jubiläum.

Web: akkordeonfestival.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.03.2019)