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Home Staging: Drinnen und draußen zeigen, was geht

Alles gestagt: Wohnzimmer mit Fußboden, Möbeln und Asseccoires.
Alles gestagt: Wohnzimmer mit Fußboden, Möbeln und Asseccoires.(c) PicMyPlace GmbH

Passt ein Flügel in den Salon? Wie könnte man die Wohnung am besten ausstatten? Nach anfänglichem Zögern wird die Hilfe für das Vorstellungsvermögen - und den Verkauf - immer beliebter.

Es ist noch nicht allzu lang her, da galt das Thema Home Staging noch als Orchideenfach, als amerikanischer Schnickschnack, den in Österreich eigentlich niemand braucht. Nachdem eine stetig steigende Zahl von Maklern und Bauträgern allerdings mehr oder weniger überrascht festgestellt hat, dass sich Wohnungen und Häuser möbliert oft markant schneller verkaufen oder vermieten lassen als „nackt“, hat das Thema in den vergangenen fünf Jahren rasant an Bedeutung gewonnen. „Wir haben aktuell 35 Objekte draußen“, verdeutlicht beispielsweise Jutta Wallner, die gemeinsam mit Yvonne Werginz 2011 das Staging-Unternehmen Wohnfee gegründet hat und mittlerweile ein umfassendes Lager voller Möbel und Accessoires unterhält. „Home Staging ist wirklich in Österreich angekommen.“ Und hat in seiner physischen Existenz mittlerweile auch durchaus virtuelle Konkurrenz bekommen.

Denn immer mehr Bauträger lassen nicht nur bereits existente Wohnungen mit Möbeln, Teppichen und Gardinen wohnlich aufwerten, sondern auch solche, die bisher nur auf dem Papier existieren. Wobei es dabei weniger darum geht, Sitzlandschaften und Esstische zu platzieren, auch wenn selbst das inzwischen technisch überhaupt kein Problem mehr darstellt. Das große Thema beim virtuellen Stagen sind derzeit noch die Ausstattungsmerkmale wie Böden oder Fliesen, die den Kunden dabei helfen, sich mittels virtuellem Rundgang vorzustellen, wie die Wohnung wirklich aussehen wird. „Auf die Art kann ein heimischer Bauträger auch für einen Kunden in London die Beläge und Möbel aussuchen und sie ihm zuschicken“, verdeutlicht Nikolai Krinner, Managing Partner von PicMyPlace, einem Start-up, das sich auf Visualisierungen und Fotografien von Immobilien spezialisiert hat.


Virtuell in 3-D oder 2-D


Möglich sind diese Darstellungen vom Plan weg als Renderings, aber auch in 2-D oder mit einer VR-Brille in 3-D – wobei das für die meisten Kunden noch Zukunftsmusik ist, die wohl erst dann den Markt wirklich erobern wird, wenn diese Brillen zu normalen Haushaltsgegenständen geworden sind. Notwendig beziehungsweise hilfreich sind die Darstellungen, ob virtuell oder „in echt“, aus einem schlichten Grund: „Weil die Leute es sich einfach nicht vorstellen können“, bringt Krinner es auf den Punkt, und Wallner stimmt zu. Und der aktuelle Trend, selbst im Luxussegment immer kompakter zu wohnen, sorgt für weiteren Bedarf an dieser Dienstleistung, wie Wallner erklärt: „Dadurch, dass die Räume immer kleiner werden, sind immer mehr Kunden besorgt, ob sich darin auch alles ausgeht“, berichtet die Einrichtungsexpertin.

Ängste, die ein gut gemachtes Staging dadurch nehmen kann, dass „man die Möbel an die Wohnungsgröße anpasst und vielleicht nicht unbedingt die größte L-Couch vom Diskonter hineinknallt“, verdeutlicht sie. Sondern vielmehr aufzeigt, was alles unter eine Schräge passt – oder auch nicht. „Da muss man als Stager dann auch einmal sagen: ,Nein, das Sofa quetschen wir jetzt nicht mehr darunter‘, sondern stattdessen Stauraum unter der Stiege andeuten“, nennt sie Beispiele aus ihrem Alltag.

Bei richtig viel Platz kommt dem Staging dann wiederum eine ganz andere Aufgabe zu, nämlich jene, allen Räumen eine mögliche Nutzung zuzuweisen. Denn es macht einen Unterschied, ob potenzielle Käufer durch eine Flucht von ähnlichen, leeren Zimmern geführt werden oder vom Schlaf- ins Gästezimmer, zum Yogaraum und ins Home-Office.
Wie wirksam das richtige Platzieren virtueller, aufblasbarer oder echter Möbel sein kann, hat kürzlich eine Masterarbeit an der Donau-Uni Krems aufgezeigt, die zu dem Ergebnis kommt, dass sich Leerstandszeiten mit einem guten Staging von 70 auf zwei Tage reduzieren ließen – was nachvollziehbar macht, warum sich diese Disziplin vor allem im hochwertigen Segment wachsender Popularität erfreut. Denn die Kosten hat man zumeist mit einer oder spätestens zwei Monatsmieten wieder herinnen, grob gesagt liegen sie bei ein bis zwei Prozent des Verkaufspreises – wobei natürlich je nach Qualität des Stagings, aber auch des Objektes große Unterschiede möglich sind.

LEXIKON

Was bedeutet Home Staging?

Der Begriff Home Staging – ein Zuhause inszenieren – wird in den USA seit den 1970er-Jahren angewendet, um ansonsten leere oder wenig ansprechende Räume für potenzielle Käufer Erfolg versprechender zu präsentieren. Seit den 1990er-Jahren hat sich Home Staging als eigener Geschäftsbereich für Designer und Innenarchitekten entwickelt, der auch in Europa mittlerweile bekannt – hier auch „property presentation“ oder „property styling“ genannt – und immer mehr genutzt wird.
Zum Einsatz kommen beim Stagen Möbel, Farbe, Licht, Wand- und Fußbodengestaltung, die aber nur zur Demonstration dienen und keinem echten Wohnzweck genügen müssen. Auch persönliche Accessoires des (Noch-)Besitzers können dazu beitragen, das Objekt ansprechender zu gestalten. Neben der Optimierung des ersten Eindrucks von Wohnung, Haus – und auch Garten – soll den Interessenten mit weniger Vorstellungsvermögen auch die Möglichkeit gegeben werden, zu sehen, was in Sachen Gestaltung passend und machbar ist.


Ein ganz grober Mittelwert für das physische Ausstatten sind rund 50 Euro pro Quadratmeter, virtuell beginnen die Preise bei 300 bis 400 Euro pro Raum. Allerdings ist Staging nicht gleich Staging: „Ich habe schon ganz grausliche Sachen gesehen, wenn Esstische und Hocker aus Pappe verwendet wurden“, kennt Wallner die auch nach unten offenen Möglichkeiten. Wobei aufblasbare Betten unter schönen Decken bei günstigeren Objekten durchaus üblich sind – schließlich sind sie nicht dazu da, sich hineinzulegen, sondern, um zu zeigen, dass sehr wohl links und rechts noch Platz für ein Nachtkastl ist. Aber nicht nur bei den Möbeln, auch bei den Locations wird mit der neuen Popularität des Stagens inzwischen lustig improvisiert, wie Wallner berichtet: „Ein ganz neuer Trend ist der, dass sich Bauträger von uns in einen oder mehrere Baucontainer eine oder mehrere Musterwohnungen einrichten lassen“, erzählt die Stagerin. „Die stehen dann auf dem Grundstück, auf dem sonst noch nichts ist, und werden für Besprechungen und Musterauswahl mit Kunden genutzt.“ Womit sich die virtuelle Ausstattung vom Plan und die Beläge zum Anfassen wieder in der Realität begegnen.


Staging von Gärten


Ein anderer Bereich des Stagens, der in den USA ebenfalls gang und gebe ist, hat die österreichische Hauptstadt dagegen erst in zarten Anfängen erreicht: das Garden Staging. Denn während jenseits des Atlantiks aufwendig Grünbereiche ins rechte Licht gerückt werden, gehört Marion Ernst mit ihrem Wiener Unternehmen Flächenlust zu den Pionierinnen auf diesem Gebiet. „In Deutschland ist es schon ein bisschen mehr, hier muss dieser Markt erst noch richtig ankommen“, erzählt die Gartendesignerin. Denn in den allermeisten Fällen ginge es bei den derzeitigen Aufträgen darum, die Grünflächen rund ums Haus zu säubern, Pflanzen zurückzuschneiden und die eine oder andere Konifere herauszunehmen. „Und hin und wieder werden auch noch ein paar Kübelpflanzen am Eingang hingestellt“, beschreibt sie den derzeit noch bescheidenen Aufwand. Was aber für die Zukunft nichts heißen muss, denn auch das Stagen in Inneren hat eben vor nicht allzu langer Zeit noch kaum jemand für sinnvoll oder gar notwendig erachtet . . .

AUF EINEN BLICK

Es hat eine Weile gedauert, bis sich das professionelle Ausstatten von Immobilien in Österreich durchgesetzt hat. Inzwischen hat sich die Disziplin aber zumindest im High-End-Bereich weitgehend durchgesetzt – physisch und virtuell, und ganz zögerlich beginnt es auch für die Außenbereiche.