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IGGÖ-Chef Vural: „Politischer Islam zum reinen Kampfbegriff verkommen“

IGGÖ-Präsident Ümit Vural eröffnet eine Tagung zum Thema "politischer Islam".
IGGÖ-Präsident Ümit Vural eröffnet eine Tagung zum Thema "politischer Islam".Erich Kocina
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Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft fordert einen sorgsameren Umgang der Politik mit dem Begriff und eine sachlichere Debatte.

„Politischer Islam ist zum reinen Kampfbegriff verkommen. Inhaltsleer und populistisch verwendet, um Muslime zu attackieren“, sagt Ümit Vural. Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) übt heftige Kritik an der Politik, die das Thema seiner Ansicht nach für politische Spielereien missbrauche. Vor allem, wenn politische Verantwortungsträger „Muslime ohne Grundlage als Anhänger des politischen Islam bezeichnen“, müsse man das ernst nehmen. Vural eröffnete Montagvormittag im Wiener Hilton Hotel eine Tagung, die genau den Begriff definieren und wissenschaftlich aufarbeiten soll. Geladen sind mehrere Wissenschaftler, unter anderem John L. Esposito von der Georgetown University in Washington D.C., der zur Keynote Speech geladen wurde.

Vural erwähnt, dass in den vergangenen Tagen vor allem die FPÖ und ihre Sympathisanten nicht müde geworden seien, ihn und die IGGÖ als islamistisch zu bezeichnen. „Frei von sachlichem Substrat, feindselig – derartige Kommentare haben uns erst ermuntert, diese Fachtagung zu organisieren.“ Die Instrumentalisierung des Begriffs sei ein Anlass, „jenen Kreisen zu helfen, von ihrem falschen Pfad wegzukommen“, so Vural. Er fordert, dass der Begriff „politischer Islam“ nicht in den Händen der Politik bleiben dürfe, sondern „in den sorgsamen Händen von Wissenschaftlern und Experten“.

Busek: „Mehr Rationalität in Diskussion bringen"

Unterstützung bekommt der IGGÖ-Präsident von Erhard Busek, der als zweiter Redner für die Eröffnung geladen war. Man müsse mehr Rationalität in die Diskussion bringen, so der ehemalige ÖVP-Vizekanzler, denn derzeit sei sie in hohem Ausmaß irrational. „Die Politik versucht, Glaubensgemeinschaften zu instrumentalisieren“, so Busek. Und dabei greife man vor allem auf Emotionen zurück – ohne dabei allzu viel vom Thema zu verstehen. „Ich muss sagen, dass Kenntnisse über den Islam in der Öffentlichkeit sehr begrenzt vorhanden sind, alles ist überlagert von Emotionalität und in vielen Bereichen frei von Rationalität.“ Daher sei er, Busek, für diese Tagung „unendlich dankbar“: „Wir brauchen dieses bessere Wissen in der österreichischen Gesellschaft.“