Andrea Schurian

Krebs zerstört alle Schönheit. Und vernichtet alle Ordnung

Elisabeth Krimbacher war eine sensible Filmemacherin, hingebungsvolle Mutter, wunderbare Kollegin. Sie starb vergangenen Dienstag an Krebs. Ein Nachruf.

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Nach dem letzten Bestrahlungszyklus begleitete ich meine Freundin zur ärztlichen Nachbesprechung. Elisabeth saß bereits im Rollstuhl. Wie lange sie auf der Palliativstation bleiben werde, fragte die Ärztin und blickte überaus angestrengt an der abgemagerten Patientin vorbei auf den Computerbildschirm. Ich war über die unsensible, dumme Frage empört, Elisabeth nicht: „Vermutlich bis ich sterbe“, antwortete sie trocken und lachte. Ihren Humor und ihre unnachahmliche Würde behielt sie bis zum letzten Atemzug. Sie habe ein schönes, erfülltes Leben gehabt, sagte sie einmal, eine liebevolle Kindheit, einen interessanten Beruf, einen fürsorglichen Mann und zwei entzückende kleine Töchter. Wir lachten erstaunlich viel in diesen letzten Wochen und Monaten, aber wir redeten auch über das, was sie erwartete, ob es ein Leben nach dem Tod gebe, woher wir kommen, wohin wir gehen, über Spiritualität, wie sie ihren Mädchen in Erinnerung bleiben würde. Sie jammerte und haderte nicht, dass sie, die Nichtraucherin, an Lungenkrebs erkrankt war. Aber dass sie das Heranwachsen von Amalia und Cressida nicht erleben würde, machte sie traurig.


Nur wenige Tage nach der Geburt ihrer zweiten Tochter im Juni 2016 waren Knochenmetastasen entdeckt worden, man suchte nach dem Ursprungskrebs. Fand ihn in der Lunge. Doch die Diagnose ließ Hoffnung zu, diese Form des Krebses sei medikamentös gut behandelbar, sagten die Ärzte und entfernten eine halbe Lunge. Die Medikamente wirkten, im Frühjahr 2018 galt Elisabeth als geheilt. Im Herbst 2018 kam der Krebs zurück, wütender, aggressiver, bösartiger. Die Chemotherapie brach sie ab, zu viele Nebenwirkungen. Sie wollte ihrem Tod mit klarem Verstand entgegensehen.