Und noch einmal 1500 E-Scooter

Die Roller werden mehr – bessere Organisation soll für weniger Ärger sorgen.
Die Roller werden mehr – bessere Organisation soll für weniger Ärger sorgen.(c) APA/HANS KLAUS TECHT

Anbieter Nummer sechs, Hive, bringt bis zum Sommer 1500 zusätzliche E-Scooter nach Wien. Damit drängen die Autokonzerne Daimler und BMW auf den Markt.

Wien. Lime, Bird, Tier, Wind, Flash – nun Hive. Man bräuchte mittlerweile sechs Apps, um die nun gut 6000 in Wien herumstehenden E-Scooter zu nutzen. Denn in wenigen Monaten, seit dem Start vorigen Herbst, ist die Zahl der Anbieter und Scooter rasant gewachsen. Gestern, Donnerstag, ist also Nummer sechs mit 600 Rollern gestartet, bis zum Sommer sollen es 1500 Stück (damit ist die von der Stadt jedem Anbieter gesetzte Obergrenze erreicht) sein. Das System funktioniert wie bei den anderen auch: per App, QR-Code, in einem festgelegten Geschäftsgebiet (vorerst innerhalb des Gürtels). Der Preis ist analog zu den Mitbewerbern: ein Euro Grundpreis plus 15 Cent pro Minute. Die identen Preise erklärt Hive-Chef Tristan Torres Velat damit, dass der Markt in Wien jung sei – und man keinen Preiskrieg anzetteln wolle.

 

Wie viele verträgt Wien noch?

Wird Wien mit E-Scootern überflutet? Droht langsam ein Chaos, wie einst mit den chinesischen Leihrädern? Schließlich häufen sich Beschwerden über herumliegende Scooter, falsch geparkte Fahrzeuge, über Touristen (und Wiener), die Regeln nicht kennen oder missachten und kreuz und quer fahren. Wirtschaftstreibende, die Händler der Innenstadt oder Innenstadt-Bezirkschef Markus Figl kritisieren die Flut an Scootern. Bei Hive will man dem bewusst entgegenwirken – Safety and Regulation, diese Schlagwörter, Sicherheit und Ordnung, wiederholt Torres Velat bei der Präsentation in Wien mantraartig. Hive wolle keine Schwemme, man wolle keinen Ärger, dafür sollen Mitarbeiter in der Stadt unterwegs sein, falsch abgestellte Scooter richtig platzieren, die Nutzer auf Regeln aufmerksam machen, im Fall von Konflikten vermitteln und ähnliches. 15 sogenannte Bees (Bienen, schließlich heißt Hive Bienenstock) sind vorerst in Wien unterwegs, vor allem in der Innenstadt. Denn dort, so Hive-Wien-Manager Alexander Juranek, würden 50 Prozent der „Rides“ stattfinden. Wenn nötig, sagt Torres Velat, wenn es Unmut geben sollte, würde man auch 150 Bees ausschicken. Wie er überhaupt betont, dass man Regeln und Restriktionen der Stadt auf Punkt und Beistrich einhalten wolle – und wenn die Stadt die Roller nicht mehr will, dann sei man wieder weg.

Allerdings dürfte das Geschäft mit den E-Scootern ein auf lange Sicht aussichtsreiches sein: Mit Hive treten Konzerne in Wien in den Markt ein: Hinter Hive steht NOW, das Mobilitäts-Joint-Venture von Daimler und BMW, zu dem auch der Uber-Konkurrent Mytaxi, Drive Now oder Car2Go gehören.

Hive ist seit dem Start in Lissabon vorigen Herbst in einigen Städten Europas aktiv – und expandiert rasant. Damit drängen Autokonzerne auf einen Markt, den sich zuvor eher Start-ups teilten: Hinter Wind steht das deutsche Start-up Byke, Tier ist ein Berliner Start-up, Flash entstammt ebenso der deutschen Gründerszene, Bird ist aus den USA und wurde von einem früheren Uber-Manager gegründet, und auch Lime ist ein US-Start-up.

 

Zwei weitere könnten folgen

Und in Wien könnten bald noch weitere Anbieter folgen: Der schwedische Rollerbetreiber Voi und das oberösterreichische Unternehmen Arolla (das in Linz und Wels schon Roller betreibt und der erste österreichische Anbieter wäre) stehen in den Startlöchern.

Droht ein Match um den Markt? Werden die Roller zu viele? Bei Hive sieht man das naturgemäß nicht so. Zum Marktpotenzial will man keine Zahlen nennen, aber: „Bedenken wir, wie viele Autos und Fahrräder es in Wien gibt. Wir haben in Wien wie in allen Städten ein Problem mit Staus, mit Luftverschmutzung“, sagt Juranek. Daher werde sich an der Verkehrsorganisation viel ändern. Gehe man davon aus, dass der Individualverkehr sukzessive aus der Stadt verschwindet, sei das Potenzial „sehr groß“.

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