Einstieg in die Welt der Wissenschaft

Als höchste akademische Weihe wird die Verleihung des Doktorats traditionell feierlich inszeniert.
Als höchste akademische Weihe wird die Verleihung des Doktorats traditionell feierlich inszeniert.Uni Wien/Barbara Mair

Das Ph.D.-Studium und die Verleihung des Doktorats sind immer noch den Universitäten vorbehalten. Während hier die Tradition bewahrt wird, hat sich das Doktorat selbst gewandelt.

„Die Gruppe wird kleiner, die Ansprüche werden höher, und die Ergebnisse werden besser“, so umreißt Peter Scherrer, Vizerektor für Forschung und Nachwuchsförderung der Uni Graz, die Entwicklung bei den Doktoraten. Gab es früher an der Uni Graz rund 3000 Doktoranden, so habe sich diese Zahl auf etwa 1500 bis 1600 fast halbiert. Als Gründe nennt Scherrer gestiegene inhaltliche Ansprüche. Auch gebe es stärkeren Druck seitens der Betreuer und Teamkollegen – insbesondere in den Naturwissenschaften gebe es praktisch nur noch Projekte mit mehreren Doktoranden. Und auch der verstärkte Druck der Sozialversicherung spiele eine Rolle. Auf der anderen Seite habe der Doktortitel als zumindest informelle Voraussetzung für viele Positionen an Bedeutung verloren, sodass die Wirtschaftlichkeit des Doktorats vielfach nicht mehr gegeben sei.

„Der Abschluss dient primär als Vorbereitung für eine Laufbahn in der Wissenschaft oder dem tertiären Bildungssektor“, sagt Scherrer. An der Uni Graz gibt es drei Gruppen: Das „individuelle Doktorat“ entspricht dem althergebrachten Bild von Dissertanten und Betreuer, wobei es heute immer öfter mehr als ein Betreuer sei. Dann gibt es die Doktoratsprogramme, bei denen sich mehrere Habilitierte zu einem gemeinsamen Programm zusammenschließen und für ihre Dissertanten gemeinsame Kolloquien oder Ringvorlesungen anbieten. Ein Vorteil sind mehr Ansprechpartner für interdisziplinäre Fragen“, sagt Scherrer.

Diese vor zehn Jahren gestarteten Doktoratsprogramme sind die Vorstufe zu den Doctorial Academys an der Uni Graz, die vom FWF als doc.funds gefördert werden. Dort betreuen typischerweise zehn „Principal Investigators“, oft von unterschiedlichen Universitäten, eine gleich große Gruppe an Dissertanten, die Anstellungen im Rahmen von 30 Wochenstunden haben. „Wir finanzieren aus eigenen oder aus Drittmitteln oft weitere Doktoratsstellen für diese Academys“, berichtet Scherrer. Die Stellen für diese Programme werden international ausgeschrieben. „Nur etwa zehn bis 20 Prozent kommen aus unserem Haus.“

 

Fortschritt überprüft

Eine im Vergleich zu früher straffere Organisation des Doktorats gibt es auch an der Universität Wien. „Seit einem Jahr haben wir einen qualitativen Zulassungsprozess. Doktoranden müssen ein Konzept vorlegen und bereits mit einem Betreuer in Kontakt stehen“, berichtet Lucas Zinner, Leiter des Forschungsservice und des DoktorandInnenzentrums. Zudem sollten nach dem ersten Jahr ein Exposé sowie jährliche Berichte über den Arbeitsfortschritt vorgelegt werden. Dadurch wurde die Ernsthaftigkeit deutlich erhöht. Wichtig sei der Uni Wien eine gute Betreuung – die auch hier immer öfter von Teams statt von Einzelpersonen geleistet werde, vor allem in Teilen der Natur- und Lebenswissenschaften. Insgesamt zeigt sich Zinner zufrieden mit der Entwicklung des Doktorats an der Uni Wien.

Zusätzlich zur Betreuung bietet die Uni Wien Kurse zu überfachlichen Skills. Die Aneignung dieser „Transferable Skills“ sei wichtig, da 80 Prozent der Doktoranden zwar weiter in Universitäten tätig sein wollen, aber nur 20 Prozent das gelingt. Trost: Laut Studien wollen 70 Prozent derer, die in die Wirtschaft gegangen sind, nicht mehr zurück in die Wissenschaft.

 

Begabtenangebote für alle

Auch in Graz werden ähnliche Kurse angeboten. Primär für die Doktoranden der Doctoral Academys. Je nach Verfügbarkeit der Plätze können auch andere Doktoranden der Uni Graz und benachbarter Unis diese Kurse belegen.

Für besonders anbitionierte Doktoranden sind an der Uni Wien Doktoratsschulen und -akademien eingerichtet, die die Vernetzung der Nachwuchsforscher fördern sollen. Deren Angebote wie Summer Schools, Teilnahme an Konferenzen oder Gastvorträge sollen laut Zinner auf alle Doktoranden der Uni Wien ausgerollt werden.

Eine besondere Form des Doktorats gibt es seit 2015 an der Angewandten in Wien. Neben dem klassischen kann dort ein künstlerisches Doktorat absolviert werden. Hier steht der – von reflexiver Auseinandersetzung begleitete – künstlerische Gestaltungsprozess im Mittelpunkt, mit dem Ergebnis einer oder mehrerer Kunstwerke, die „als Artefakt das zeigen, was beforscht wird“, erklärt Alexander Damianisch. Für den Leiter des Zentrums Fokus Forschung der Angewandten war die Einführung dieser Doktoratsform „eine nationale Notwendigkeit“. Eine schriftliche Arbeit zur begleitenden Dokumentation sei eine naheliegende Möglichkeit, „wie weit das der Notwendigkeit der künstlerischen Forschungsarbeit gerecht wird, ist noch offen“, meint Damianisch. Möglich wären auch anderweitige Präsentationen der Thesen. Von den 2014 gestarteten künstlerischen Dissertationen stehen die ersten vor dem Abschluss. Die künstlerischen Dissertationen an der Angewandten werden in Form von Calls für sechs Bewerber pro Jahr ausgeschrieben. Für das klassische Doktorat gibt es einen laufenden Bewerbungsprozess. Seit Kurzem ist hier ein Beirat installiert, der Empfehlungen abgibt.