Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Premium
Bühne

Ein richtig flotter „Radetzkymarsch“ in der Josefstadt

THEATER IN DER JOSEFSTADT: RADETZKYMARSCH
Junger Mann in alter Gesellschaft: Florian Teichtmeister (l.) als Leutnant Carl Joseph Freiherr von Trotta und Sipolje.(c) APA (ROLAND SCHLAGER)
  • Drucken

Elmar Goerden gelingt eine schlüssige und meist auch kurzweilige Dramatisierung von Joseph Roths Jahrhundertroman. Das Ensemble hat offenbar Spaß am Tempo.

„Und jetzt der Tod?“ Der junge Mann, der die Bühne des Theaters in der Josefstadt quert, in schwarzer Hose, das weiße Hemd hängt nachlässig darüber, scheint bereits zu Beginn der Aufführung den Schluss zu erwarten. Es ist Carl Joseph Freiherr von Trotta und Sipolje (Florian Teichtmeister), Protagonist in Joseph Roths berühmtem, 1932 publiziertem „Radetzkymarsch“. Ein allwissender Erzähler, ebenfalls in Schwarz-Weiß, grell geschminkt wie ein Orakel, beruhigt ihn: Noch seien Tod und Untergang weit weg.
Dann zitiert dieser Graf Chojnickie eine kurze Passage aus dem zweiten Kapitel. Andrea Jonasson spielt diese melancholische Figur aus den Tiefen des Romans trotz kleiner Unsicherheiten beim Text souverän. Zugleich beginnt im Hintergrund eine junge Dame (Pauline Knof, die später eine Geliebte des jungen Trotta spielt), den titelgebenden Marsch auf dem Klavier zu spielen. In der dramatischen Bearbeitung und Inszenierung dieses Werks durch Elmar Goerden, die am Donnerstag in Wien uraufgeführt wurde, scheint die Zeit tatsächlich zu fliegen. Als flüchte sie in eine Fülle von Parallelaktionen.

Der Held von Solferino

Trotta hat recht: Das Ende ist bereits am Anfang nahe. Die Drehbühne, von Silvia Merlo und Ulf Stengl mit schwarzen Möbeln und weißen Wänden aus Papier an einem kunstvoll verschränkten Holzkonstrukt ausgestattet, begünstigt das temporeiche Spiel: Stets gibt es in den knapp zwei Stunden Bewegung, süffisant und voller Selbstreferenz werden die Höhepunkte des Romans präsentiert. Das geht zwar auf Kosten differenzierter oder gar psychologischer Charakterzeichnung, schafft aber angenehm kritische Distanz: Hier hat die Regie zwar beileibe nicht alles, aber Wesentliches vom Geiste Roths erfasst.