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Im Amphitheater von Bad Aussee

Ines Kratzmüller und Jürgen Kaizik im Theseustempel des Wiener Volksgartens. Zum Auftakt ihres neuen Antikenprojekts luden die zwei zu Gespräch und Performance ins Kunsthistorische Museum.
Ines Kratzmüller und Jürgen Kaizik im Theseustempel des Wiener Volksgartens. Zum Auftakt ihres neuen Antikenprojekts luden die zwei zu Gespräch und Performance ins Kunsthistorische Museum.(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Nach zehn Jahren wagen Ines Kratzmüller und Jürgen Kaizik mit ihrer „Bluatschwitz Blackbox“ in Aussee einen Neustart: mit einem Antikenprojekt.

Die Bluatschwitz in Bad Aussee ist eine Straße: So steil, dass die Tiere früher Blut geschwitzt haben sollen, wenn sie Lasten hier hinaufgezogen haben. Offiziell heißt sie Sigmund-Freud-Straße, und an ihr liegt eine Jahrhundertwendevilla mit einem Dachboden mit Blick bis zum Loser. „Eigentlich müsste man hier Theater machen“, dachten sich Schauspielerin Ines Kratzmüller und Jürgen Kaizik, Autor, („Tatort“-)Regisseur und Mieter der Immobilie.

Zehn Jahre nach der Premiere des damaligen Wittgenstein-Stücks 2009 gibt es die „Bluatschwitz Blackbox“ immer noch. „Wir machen hier Theater im Sommer, aber kein Sommertheater“, erklärt Kratzmüller den Anspruch. Dem Todesdrama Billie Holidays hat man sich ebenso gewidmet wie der Beziehung zwischen Martin Heidegger und Hannah Arendt. Es gehe darum, sich Zeit zu nehmen und sich auf Inhalte einzulassen, und die Leute, die kämen, „die machen das auch“. Selbst wenn sie eigentlich, wie bei „Brot und Wein“, nur selbiges (und nicht Hölderlin) erwartet hatten.

Nun steht das Duo ein weiteres Mal vor einem Neustart, von dem es hofft, dass das Publikum im sommerlichen Bergland mitzieht: „Antikenprojekt“ heißt der Plan für zumindest die kommenden drei Jahre, der mehr will, als nur antike Stücke zu spielen. „Wir tauchen richtig in die Antike ein“, sagt Kaizik. Übernommen werde etwa nebst Essen und Getränken auch die griechische Tradition, wie bei den Dionysien mehrere Stücke an einem Tag zu spielen (im konkreten Fall: drei, beginnend um 15 Uhr).

„Oase Berta“ am Waldesrand

Hilfreich dabei ist, dass die beiden ein Amphitheater entdeckt haben: Just in unmittelbarer Nähe der bisherigen Dachboden-„Blackbox“ liegt die Oase Berta. Eine großherzige Dame, Berta Köberl, hatte hier der Lebenshilfe ein Grundstück geschenkt, auf dem nun ein barrierefreies Hotel steht, nebst Permakulturanlage und Freilufttheater am Waldesrand (das zu Beginn einmal mit Mitterers „Kein Platz für Idioten“ bespielt wurde, seither aber kaum). Eine „Perle von einem Landschaftsjuwel“, sagt Kaizik, das sich schon im Vorjahr bewährt hat und das nun perfekt passt: „Theater war in seiner Urform nicht Kulissen und Technik, sondern Natur und Menschen, und große Stücke, die von Leidenschaft, von Gott, vom Leben handeln.“

Und nicht nur Sprache, sondern alle Fähigkeiten des Menschen müssten im griechischen Theater zusammenkommen, auch Bewegung, Rhythmus, Tanz (die Musik liefert eine Gruppe junger Musiker aus dem Irak). „Das ist für uns Abendländer neu.“ Descartes' Cogito ergo sum habe die Menschheitsgeschichte in eine falsche Richtung gedrängt, „weil es zu einer Zweiteilung zwischen Denken und körperlichem Sein geführt hat“, sagt Kaizik, der darin eine Verbindung sieht zur „globalen Katastrophe, vor der die Menschheit steht, weil wir die Natur nicht mehr verstehen“.

Angedacht haben die beiden auch Symposien, um im Gespräch mit Kunst, Politik und Wissenschaft herauszufinden: „Was hat das alles mit uns zu tun?“ Viel, finden sie, angesichts der Krise der Politik: „Wie hält man Populisten auf? Das sind Fragen, mit denen sich die Griechen beschäftigt haben. Und das Theater war der Ort, um diese Fragen auszutragen.“

Auf einen Blick

Die„Bluatschwitz Blackbox“ wurde von Ines Kratzmüller und Jürgen Kaizik gegründet. Ihr Antikenprojekt beginnt mit der Aischylos-Trilogie: „Der gefesselte Prometheus“, „Die Orestie“ und, als neues Stück, „Die Rache des Prometheus“. Sechsmal ab 29. 7., Oase Berta.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.06.2019)