Von der Leyen, Van der Bellen

Oder: Warum Manfred von der Weber vielleicht bessere Chancen gehabt hätte.

Sage noch einmal jemand, der Name spiele keine Rolle. Im Kampf um den Posten des EU-Kommissionspräsidenten dürfte sich (Zustimmung des Parlaments in Straßburg vorausgesetzt) Ursula von der Leyen gegen ihren Landsmann und Parteibruder Manfred Weber durchgesetzt haben. Und vieles, was den Spitzenkandidaten der Europäischen Volkspartei letztlich das Amt gekostet haben dürfte, manifestiert sich auch in seinem Namen. Manfred Weber, das klingt sehr local, nach Hausmannskost, wie ein Platzhalter für den deutschen Durchschnittsbürger nach dem Muster von Max Mustermann. Ursula von der Leyen hingegen ist ein Name, der in einem „James Bond“ an wichtiger Stelle vorkommen könnte (wenn auch sehr wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Bösewichtin).

Bei der vergangenen österreichischen Präsidentschaftswahl (besser: den zig Wahlgängen, ja, wir erinnern uns noch) bot sich eine ähnliche Konstellation: Norbert Hofer vs. Alexander Van der Bellen. Da ein Name wie er nicht autochthon österreichischer sein könnte, dort ein geheimnisvolles Lautfeuerwerk, dessen Aussprache schon musikalischer wirkt als so mancher Marsch beim Zapfenstreich auf dem Heldenplatz.

Auch die beiden Newcomer beim Tennisturnier in Wimbledon, das seit Anfang der Woche in London ausgetragen wird, hören auf Namen, wie man sie für eine große Hollywood-Produktion erdacht hätte. Die 15-jährige US-Amerikanerin Cori Gauff, genannt Coco, ist abgesehen von ihrem unglaublichen Spiel genauso eine fast virtuelle Erscheinung auf dem Platz wie der 18-jährige Kanadier Félix Auger-Aliassime. Ihr offensives Spiel springt ihnen scheinbar mühelos vom Racket, der Dress sitzt in beiden Fällen stets faltenlos, Schweiß ist auch nach Stunden nur fein dosiert zu sehen.

Was den Namen angeht, hat ja Millie Bobby Brown den Vogel abgeschossen. Die Co-Hauptdarstellerin der Serie „Stranger Things“, deren dritte Staffel mit viel 80er-Jahre-Flair und fiesen Monstern dieser Tage auf Netflix zu laufen beginnt, funktioniert mit und ohne Haare, im Designerkleid ebenso wie in abgeschnittenen Bubenhosen mit Regenwürmern in der Tasche, geschminkt gleichermaßen wie pur. Wie soll es auch anders sein, wenn man Millie Bobby Brown heißt. Und nicht Manfred Weber.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.07.2019)