Studie: AfD und ihre Wähler rückten seit 2015 nach rechts

Untersicht wurden die Auftritte der Partei in sozialen Netzwerken.
Untersicht wurden die Auftritte der Partei in sozialen Netzwerken.(c) REUTERS (Michaela Rehle)

Nach der Abwahl von Parteisprecher Lucke und schon vor der Flüchtlingskrise wurden Immigration, Flüchtlinge und Islam in den Mittelpunkt gestellt.

Die AfD ist einer Studie der Universität Mainz zufolge seit dem Jahr 2015 politisch nach rechts gerückt. Begonnen habe dieser Prozess schon vor der sogenannten Flüchtlingskrise im Spätsommer 2015, schrieben die Politikwissenschaftler Kai Arzheimer und Carl Berning von der Johannes Gutenberg-Universität in einer Mitteilung vom Donnerstag.

Sie haben sich die Entwicklung der AfD zwischen 2013 und 2017 anhand des Auftritts der Partei in sozialen Netzwerken angeschaut. Denn: Die Analyse von Social-Media-Auftritten vermittle ein besseres Verständnis davon, wie populistische Parteien versuchten, an traditionellen Medien vorbei mit ihren Anhängern zu kommunizieren.

Fokus ändert sich ab Juli 2015

Die vormals eurokritische, bürgerliche, dem ökonomischen Liberalismus zuneigende Partei habe mit der Abwahl von Parteisprecher Bernd Lucke im Juli 2015 die Themen Immigration, Flüchtlinge und Islam in den Mittelpunkt gestellt. Das spiegle sich im Facebook-Auftritt wider. "Der Social-Media-Auftritt der AfD zeigt, wie sich der Fokus ändert und von den Themen Europa und Griechenland auf Islam und Integration verlagert." Die Deutsche Wahlstudie zeige, dass sich zur gleichen Zeit auch die Wählerschaft der AfD nach rechts bewegt habe.

"Wir fanden interessant, dass diese Neuausrichtung schon begonnen hatte, noch bevor Flüchtlinge nach Deutschland kamen", betonte Arzheimer. Mit der Flüchtlingskrise sei das AfD-Hauptthema plötzlich ganz vorne in der öffentlichen Wahrnehmung gestanden. Den Erfolg der AfD bei der Bundestagswahl 2017 führen Arzheimer und Berning nicht auf eine an sich zunehmend zuwanderungskritische Stimmung zurück. Verändert habe sich die Relevanz des Themas in der politischen Diskussion. Die AfD wollte die Studie zunächst nicht kommentieren.

 

(APA/dpa)