Lorraine Wenzel in ihrer Wiener Küche.

Ein Leben ohne Müll: Wo kein Abfall abfällt

Die Anhänger der populär werdenden Zero-Waste-Bewegung leben verpackungsfrei und produzieren keinen Müll. Dabei ist es keineswegs nur ein urbanes Phänomen – und geht über das Einkaufsverhalten hinaus. Einblicke in einen Alltag ohne Plastik und „Schnickschnack“.

Lorraine Wenzels Küche ist ein schmaler aber luftiger Gang mit einer Spüle, einem Kühlschrank, einem Holzregal und einer hellen kleinen Holzkiste, in der 5000 Würmer leben. Man kann die Tierchen zwar nicht sehen, aber man kann auf ihnen sitzen. Wenzel schiebt die Kiste leicht vor, öffnet den bepolsterten Deckel, hebt ein weiteres netzartiges Gewebe auf, und da unten kreuchen und fleuchen sie schon, in aller Freude auf ein paar frisch weggeworfenen Kohlblätter. Wenzels hauseigener Komposthaufen. Nein, es stinkt nicht, und um die Privatsphäre der Würmer nicht zu überstrapazieren, macht sie den Deckel bald zu und verwandelt den Komposthaufen wieder in einen unscheinbaren Hocker.