Kolumne

Bleiben wir bei der Zucchini

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Sprechblase Nr. 304. Warum „jemanden grillen“ kein Spaß ist.

Ornithologen sind sich da ganz sicher: Eine Krähe hackt der anderen kein Aug aus, sagen sie. Auf die Menschen trifft die Analogie nicht zu: Es wird, ungeachtet aller Verbote, physisch wie psychisch gefoltert, gequält und misshandelt und was die Methoden betrifft, scheinen die Ideen nicht enden zu wollen.

Als wäre es eine Lappalie, hält eine Phrase Einzug in den Business-Sprech: Es werden keine kritischen Fragen gestellt, nein, es wird – Achtung, Sprechblase – „jemand gegrillt“. Der Vorgesetzte, der Kollege, der Mitarbeiter, egal. Es wird in den Büros gegrillt, weil jemand „to grill somebody“ auf seine Weise interpretiert hat. Wobei die korrektere Übersetzung „jemanden in die Mangel nehmen“ auch nicht weniger brutal wäre.

Wenn schon grillen, dann lieber Zucchini, Halloumi oder ein Steak – wobei auch das nicht mehr ganz unumstritten ist.

 

In den Sprechblasen spürt Michael Köttritsch, Leiter des Ressorts "Management & Karriere" in der "Presse", wöchentlich Worthülsen und Phrasen des Managersprechs auf und nach.

Die gesammelten Kolumnen finden Sie hier.