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Der Gärtner als Romantiker

Fabian Unger, der sich Der traurige Gärtner nennt.
Fabian Unger, der sich Der traurige Gärtner nennt.(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Der traurige Gärtner bat ins Katzencafe Neko, um seinen Sommerhit zu erörtern. Im Vorjahr glückte ihm ein FM4-Hit. Diesmal sollte mehr drin sein.

Der stolze Kater Luca lässt sich gerne am Kinn kraulen. Moritz hingegen will lieber nur bestaunt werden. So liest man es in der Getränkekarte des skurrilen, japanischen Katzencafe Neko im Herzen von Wien. Der rothaarige Moritz passt besser zu dem, was Der traurige Gärtner in seinem neuen, hitverdächtigen Song „Non vedo l´ora“ („Ich kann es kaum erwarten“) kommuniziert.

Darin geht es nämlich um einen jungen Mann, der körperliche Nähe sucht und gleichzeitig doch allein sein mag. Der Protagonist des Ohrwurms hat ein Rendezvous, das erstaunlich ausgeht: „Mi dispace, vado a casa da solo.“ Er ginge lieber allein nach Hause, beteuert da Der traurige Gärtner mit sehr viel Soul in der Stimme.

An dieser Stelle verschattet sich der exotische Blick der sanft aussehenden Dame im Video. Ein Moment der Spannung. Dann aber wachelt die liebreizende Katja Kay Sabando wild mit ihrem Arm. Alles ok.
Gedreht wurde im Setagaya-Park, einem japanischen Garten in Döbling. Italo-Herz-Schmerz mit asiatisch anmutenden Bilder zu illustrieren, das gefiel Fabian Unger, wie der Gärtner im richtigen Leben heißt, gut. Er mag es, wenn eigentlich Unvereinbares zusammenschmilzt.

Entstanden ist sein Italopopsong im Salzkammergut, wo der in Wien geborene Unger aufgewachsen ist. „Die Idee von der Mama war, aus Wien rauszugehen, um uns Kinder am Land aufwachsen zu lassen. Das hat Vorzüge, die ich teilweise erst im Nachhinein gelernt habe.“

Im Haus der Mutter entstand auch der Song. „Ich habe mich mit meinem sehr guten Musikerfreund Lukas Kofler zusammengetan. Wir haben die Atmosphäre von Gmunden ein bisserl aufgesaugt und uns eingesperrt und gejamt. Er ist Gitarrenvirtuose und spielte etwas an, das gut zu einem älteren Text von mir passte, der von einem zerrissenen, jungen Mann handelt, der zu selbstgenügsam für die Liebe ist.“

Eingebaut in diese zart pulsierende, hochmelodiöse Nummer ist ein rüder, deutscher Rap, dessen Höhepunkt ein moralisierender Schrei ist: „Du bist doch schon auf ganz Wien geritten!“ Dann pendelt der Song zur Hauptmelodie zurück.

Als Rapper fungiert angeblich ein gewisser Anabolika Andi. Er ist wohl Teil der vielschichtigen Persönlichkeit Ungers, auch wenn er im Gespräch darauf besteht, dass es diesen Wortsportler tatsächlich gibt. „Der Andi bedient sich aber besserer Inhalte als es in den gängigen Deutsch-Rap-Formen üblich ist, die ich für bedenklich halte. Nur über Bitches und Drogen zu reimen, ist zu wenig. Auch wenn mir klar ist, dass vielen das Punk-Moment daran gefällt.“

 

„Nicht zu viel herumdoktern“

Er selbst ist mit seinen 26 Jahren immer noch ein Suchender. Das ist auch an der Unterschiedlichkeit seiner Lieder abzulesen. Mal macht er Trap, dann Bossa Nova, dann wieder Technoparodien. Würde es ihn nicht interessieren, ein Album in einem Sound zu machen, den man letztlich mit ihm identifiziert? Da verfällt er ein wenig in Schockstarre. „Ich kann das nicht. Ich muss beständig die Genres wechseln. Ein Album? Der Vogel ist mir schon ein bisschen im Kopf herumgegeistert, aber dann hat mich das voll gestresst.“

Der Traurige Gärtner wirkt wie ein frisch aus der Waldorf-Schule entlassenes Geschöpf, obwohl er seriöse Schulen und Universitäten besucht hat. Trotzdem: Businessplan? Nein, danke! Medienstrategie? Auf keinen Fall. „Mich interessiert das rasche Machen, weniger das Veredeln, Perfektionieren und Vermarkten. Damit habe ich keine guten Erfahrungen gemacht. Es geht mir um die Erhaltung des grundsätzlichen, schöpferischen Impulses. Sonst wird alles wieder zur Arbeit. Ich darf nicht zuviel herumdoktern.“

 

Weinen vor Glück

Nur einmal., mit Wanda-Produzent Paul Gallister, tat er es bei „Hitzewelle“. Immer noch hat er kein Label, kein Management. Er kommuniziert seine Sachen über Instagram und Facebook. Und doch hat er heuer am Donauinselfest auf der FM4-Bühne aufgespielt.
„Da waren mehrere hundert Leute, die verfolgen, was ich mache. Das war mein erstes, richtiges Feedback. Dieser Kontakt mit den Leuten, das ist das Schönste an Musik. Da könnte ich vor Glück zu weinen beginnen.“

Zur Person

Der traurige Gärtner. Der 26jährige Musiker, der sich hinter diesem Künstlernamen verbirgt, heißt im zivilen Leben Fabian Unger und ist in Wien geboren.
Im Vorjahr glückte ihm mit „Hitzewelle“ und dem Wanda-Produzenten Paul Gallister ein FM4-Hit. Ungers aktueller Sommerhit: „Non Vedo L´Ora“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.08.2019)