Schnellauswahl

Bolsonaro an Merkel: "Nehmen Sie diese Kohle und forsten Sie Deutschland wieder auf"

Jair Bolsonaro findet, Deutschland soll sich um seinen eigenen Wald kümmern.
Jair Bolsonaro findet, Deutschland soll sich um seinen eigenen Wald kümmern.REUTERS

Deutschland hat seine Fördermittel wegen der Abholzung in Brasilien eingefroren. Präsident Bolsonaro rät der Kanzlerin, Deutschland wieder aufzuforsten. Das sei ohnehin „notwendiger als hier“.

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hat nach dem Stopp deutscher Projekte zum Schutz des Regenwaldes in seinem Land Bundeskanzlerin Angela Merkel empfohlen, das Geld daheim zu verwenden.

"Ich möchte auch der geliebten Frau Angela Merkel eine Nachricht hinterlassen: Nehmen Sie diese Kohle und forsten Sie Deutschland wieder auf, ok? Dort ist es viel nötiger als hier", sagte Bolsonaro laut Medienberichten am Mittwochabend (Ortszeit) vor der Presse.

Die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze hatte am Wochenende angekündigt, angesichts der verschärften Abholzung des brasilianischen Regenwaldes unter Bolsonaro Fördermittel ihres Hauses auf Eis zu legen. Die deutsche Beteiligung am internationalen Amazonasfonds über das Bundesentwicklungsministerium ist davon nicht betroffen.

Der ultrarechte Präsident Bolsonaro, der Anfang 2019 ins Amt kam, will in der Amazonasregion keine weiteren Schutzgebiete ausweisen und mehr Rodungen zulassen. Berichten zufolge hat die Abholzung heuer stark zugenommen. Der Amazonasurwald gilt als eine "grüne Lunge" der Welt.

Deutschland hat rund 11,4 Millionen Hektar Wald, das entspricht etwa 32 Prozent der Landesfläche. In den vergangenen zehn Jahren hat die Waldfläche in Deutschland leicht zugenommen.

Protest der Frauen gegen Bolsonaro

Bolsonaro ist regelmäßig das Feindbild von Protestaktionen. Am Mittwoch gingen zehntausende Frauen in der brasilianischen Hauptstadt Brasilia gegen ihn auf die Straße. Nach Angaben der Organisatoren beteiligten sich am Mittwoch rund 100.000 Frauen an der Kundgebung.

Die Teilnehmer des "Marschs der Margeriten", der alle vier Jahre stattfindet, fordern traditionell bessere Lebensbedingungen auf dem Land und mehr Frauenrechte. In diesem Jahr richtete sich der Protest insbesondere gegen die Politik des ultrarechten Staatschefs.

Die Demonstranten verurteilten unter anderem die Pläne der Regierung für eine Ausbeutung von indigenen Stammesgebieten und kritisierten Bolsonaro als "frauenfeindlich, rassistisch und homophob". "Wie leben in schwierigen Zeiten, mit einer Regierung, die uns ständig attackiert", sagte die Lehrerin Juliana Joucoski aus der Stadt Curitiba im Süden Brasiliens. "Wir verlieren hart erkämpfte Rechte."

Der Protestmarsch war bereits die dritte regierungskritische Demonstration in der brasilianischen Hauptstadt binnen zwei Tagen. Am Dienstag waren indigene Frauen in Brasilia auf die Straße gegangen. Zudem fand dort eine Demonstration gegen Kürzungen im Bildungsbereich statt.

(APA/dpa/AFP)