Fotografie feiert ihr 180-jähriges Jubiläum

Westlicht-Gründer Peter Coeln fotografierte mit dem Susse Fr`eres Daguerreotype von 1839 Persönlichkeiten wie die Fotografin Elfie Semotan. Die Schärfe und Wiedergabe selbst der Farbe ist verblüffend.
Westlicht-Gründer Peter Coeln fotografierte mit dem Susse Fr`eres Daguerreotype von 1839 Persönlichkeiten wie die Fotografin Elfie Semotan. Die Schärfe und Wiedergabe selbst der Farbe ist verblüffend.Peter Coeln / WestLicht

Am 19. August 1839 stellte Louis Jacques Mandé Daguerre in der französischen Akademie der Wissenschaften seine Errungenschaft vor: den Daguerreotype, die erste Kamera.

Es war der 19. August 1839, als die französische Akademie der Wissenschaften der staunenden Öffentlichkeit eine revolutionäre Errungenschaft präsentierte: Louis Jacques Mandé Daguerre und sein kurz davor verstorbener Kollege Joseph Nicéphore Niépce hatten ein Verfahren entwickelt, mit dem die Welt auf silberbeschichteten Kupferplatten erstmals dauerhaft abgebildet werden konnte. Die Fotografie war geboren.

Baupläne veröffentlicht. Der französische Staat kaufte gegen eine Pension von insgesamt 10.000 Francs die Rechte an dem Verfahren und machte sie der Welt zum Geschenk. Nur wenige Tage nach der Erstpräsentation traten die Gebrüder Susse auf den Plan und boten den Daguerreotype, wie sich die Kamera nannte, zum Verkauf an. Auch Daguerre selbst wollte seinen weltberühmten Namen lukrativ einsetzen und übertrug gegen eine Umsatzbeteiligung seinem Schwager Alphonse Giroux die Herstellung der nach ihm benannten Kamera. Die Objektive der beiden Kameras unterscheiden sich nur durch die Gravur und wurden vom gleichen Hersteller, Ch. Chevalier, gefertigt. Das einzig erhaltene Exemplar des Susse Frères Daguerreotype von 1839 befindet sich übrigens im Kameramuseum Westlicht in Wien und wird anlässlich des 180-jährigen Jubiläums morgen zusammen mit anderen Daguerreotypien im Westlicht ausgestellt. Dazu gibt es um 19 Uhr eine Podiumsdiskussion zur Frühgeschichte der Fotografie in Österreich. Mit der österreichischen Geschichte der Fotografie beschäftigt sich auch das Buch „100+80 Jahre – Zeitreise durch die österreichische Fotografie“, das ebenfalls am 19. August in der Nationalbibliothek präsentiert wird.

Wie hervorragend die Technik von damals funktioniert, hat Westlicht-Gründer Peter Coeln selbst ausprobiert. Er fotografierte mit dem Susse Frères Daguerreotype Persönlichkeiten, wie Valie Export, Nelson Ramirez des Arellano oder Elfie Semotan. Die Porträts sind ebenfalls in der Ausstellung zu sehen. „Ich habe Farbfilme verwendet und die Schärfe und Wiedergabe selbst in Farbe des ersten Objektivs von Chevalier ist verblüffend“, sagt Peter Coeln zur „Presse am Sonntag“.

Fehlendes Wissen.Coeln verkauft und auktioniert auch Fotografien und beklagt das mangelnde Wissen darüber in Österreich. „Fotografie ist in Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg als Kunst verschwunden, weil Fotografie ein jüdisch dominiertes Metier war“, so Coeln. Anders sehe es in den USA, Frankreich oder Großbritannien aus. Grundsätzlich unterscheidet der Markt zwischen Fotografie und Fotokunst. Erstere umfasst das traditionelle Segment, historische Bilder aus dem 19. Jahrhundert und die Fotografie der klassischen Moderne bis zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Fotokunst ist rund zwanzig Jahre später aufgekommen und repräsentiert die Werke zeitgenössischer Künstler. Preislich laufen laut Coeln im Bereich klassische Moderne die Bluechips immer. „Ein signierter Henri Cartier-Bresson verkauft sich immer gut“, so Coeln. Auch Fotoikonen, wie der Kuss-Schnappschuss von Alfred Eisenstaedt, „V-J Day in Times Square“, oder „The Falling Soldier“ von Robert Capa zählten zu den Bluechips. Anders sieht das bei Fotografie aus dem 19. Jahrhundert aus. Die Sammler seien in diesem Segment weniger geworden.

Auch Vintagespezialist Johannes Faber macht diese Erfahrungen. Gut verkaufe er berühmte Bilder und Fotografen-Label. Historische Fotografie sei schwierig, was er ebenfalls auf das geringe Wissen zurückführt. Auf der Messe in Salzburg hatte er die berühmte „Bewegungsstudie“ von Rudolf Koppitz für 180.000 Euro. „1985 kostete sie bei Sotheby's 80.000 Dollar. Ich habe einen großen Gummidruck davon aber auch schon für 320.000 Pfund verkauft“, so Faber.

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