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Schönborns Mission als Stunde der Laien

Am Pfingstmontag startete die Erzdiözese Wien in eine Missionswoche. Unter nicht unschwierigen Rahmenbedingungen.

Eigentlich war alles ganz anders geplant, damals vor länger als einem Jahr bei den Runden mit Kardinal Christoph Schönborn. Die am Pfingstmontag bei einer Vesper im Wiener Stephansdom gestartete Missionswoche für die Erzdiözese Wien sollte die katholische Kirche und deren Anliegen wieder präsenter machen. Mit Öffentlichkeit war Österreichs größte Religionsgemeinschaft in den jüngsten Wochen und Monaten reichlich „gesegnet“. Mit unerwünschter Öffentlichkeit. Nun findet die Missionswoche unter noch schwierigeren Bedingungen statt, als sie in der Bundeshauptstadt mit ihrem unter 50-prozentigen Katholikenanteil ohnedies gegeben waren. Mission impossible also?

Allein das Wort Mission zu verwenden ist mutig, für manche eine Zumutung. Aber die vorletzten verbliebenen freiwilligen, unbezahlten und unbezahlbaren Mitarbeiter dieses Bistums – es sind derer tausende – haben recht, wenn sie auf die Straßen gehen und zeigen: Es gibt uns noch, hier sind wir, das wollen wir. Auch wenn die katholische Kirche sonst in ihrer Selbst- wie Fremddarstellung (Achtung, Selbstkritik!) klerikerzentriert erscheint. Auch wenn manches von Rom abwärts anders läuft, als viele Laien für ihre Kirche wünschen. Auch wenn die Zahl der Neueintritte oder Erwachsenentaufen nach dieser Missionswoche nicht einmal in Mikrospuren messbar sein wird. Die Stunde der Laien hat also geschlagen, draußen, auf den Straßen. Wer weiß, vielleicht auch einmal drinnen, in den Kirchen, in Rom selbst.


dietmar.neuwirth@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.05.2010)