Kampf um die gute Kunst - auf zu den Wiener Messen!

Ein super Jahr, um mit dem Kunstkaufen zu beginnen. Die Wiener Kunstmessen "Viennacontemporary" und "Parallel" legen ihre bisher besten Auftritte hin.

Kunstmessen sind wirklich nicht jedermanns Sache, es ist immer überfordernd, immer zu viel. Und doch ist es nirgends so niederschwellig, um einzusteigen ins Kunstkaufen. Das wollen auch in Wien immer Jüngere immer mehr. Also nur hin! Es ist ein gutes Jahr zum Beginnen. Denn sowohl die edlere "Viennacontemporary" (VC) in der Marx Halle wie auch die alternative, ein bisschen räudige "Parallel Vienna" sind heuer so gut wie noch nie.

Die VC hat eine neue Direktorin, Johanna Chromik, die sich besonders auf Qualität konzentriert hat in ihrer ersten Ausgabe, es ist gelungen. Vor allem aus dem Osten, dem Schwerpunkt der Messe, sind tolle neue Galerien gekommen, aus Warschau etwa. Aber auch bei den Wiener Galerien sieht man, wie Wien immer noch als Treffpunkt zwischen Ost und West funktioniert. Es gibt etwa eine jüngere Sammlergeneration aus Russland, erzählt Galerist Emanuel Layr, die zum Kunstkaufen nach Wien kommen würde. Er selbst hat ein Museums-Stück vom Bratislaver Konzeptkunst-Original Stano Filko aufgebaut.

Einmal ums Messe-Eck teilt sich die junge Wiener Galerie Gianni Manhattan - tatsächlich von einer Frau geleitet, der Name kommt vom fetten Perserkater der Eltern - mit einer jungen Warschauer Galerie einen Stand, Wschod. Eine tolle Kombi, mit riesigen apotropäischen Fantasy-Schwertern und -Äxten des jungen Franzosen Matthieu Haberard (ab 3200 Euro) und den sehr zarten, poetischen Stelen an der Wand, die assoziative Raumskizzen sind, erdacht vom US-Künstler Anders Dickson. Kosten mit 2800 Euro fast nix eigentlich.

Um nur ein Beispiel zu nennen. Derlei Entdeckungen gibt es hier um fast jede Ecke. In der Zone 1, wahnsinnig cool kuratiert von Fiona Liewehr aus jungen Galerien und KünstlerInnen, überhaupt - die wunderschönen doppelten Selbstaktporträts von Sophie Thun bei der Galerie Sophie Tappeiner etwa (um nur 3000 Euro jeweils für ein Unikat). Thomas Geigers alle Kulturen durcheinanderwirbelnden Fotos von Indern, die bei der Chandigarh Biennale Postkarten europäischer Denkmäler nachstellten - Mozart, Sisi, Marie Curie. 1600 Euro nur bei der Münchner Galerie Sperling. So ginge das weiter.

Auch bei der "Parallel" kann man mit wenig Geld wirklich glücklich werden. Erstens überall in den über 170 Büroräumen der alten Lassallestraßen-Zentrale der BA. Im eigens eingerichteten "Einkaufszentrum", das übrigens eine ganzjährige Online-Verkaufsplattform der "Parallel" werden soll. Oder wenn man sich etwa um 350 Euro eine Scheibe echten Christian Eisenberger abschneiden kann, also nicht von ihm, sondern von einem von ihm hier zum Zersägen aufgestellten Holzbalken mit Totenkopf-Innenleben. Das wird wohl ein Muskelkater werden. Und überhaupt ein Kunstkater, spätestens am Montag.