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Andreas Herzog: "Für Israel ist es das Spiel der letzten Chance"

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APA/AFP/JURE MAKOVEC
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Israel-Teamchef Andreas Herzog spricht vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Österreich in Wien über die Chancenverteilung und seine Emotionen.

Für Andreas Herzog bedeutet das Fußball-EM-Qualifikationsspiel am Donnerstag gegen Österreich eine Heimkehr. Für Sentimentalitäten ist vor der Partie im Wiener Ernst-Happel-Stadion aber kein Platz. Der ÖFB-Rekordinternationale kommt als Teamchef Israels in den Prater und will der Auswahl seiner Heimat wie schon beim 4:2 im März ein Bein stellen, um im Rennen um die EURO-Teilnahme zu bleiben.

Im Gespräch berichtete Herzog über die Rollenverteilung vor dem Match, die Probleme mit mangelnder Spielpraxis seiner Akteure und nicht zuletzt auch über sein emotionales Interview nach der Niederlage im September in Slowenien.

Wie schätzen Sie die Ausgangsposition vor der Partie in Wien ein?

Herzog: "Wir hatten in dieser Qualifikation bisher in jedem Spiel unsere Chancen, egal gegen wen. Das stimmt mich optimistisch für das Spiel in Wien, auch wenn Österreich natürlich Favorit ist."

Wie stehen die Chancen von Israel auf eine EM-Teilnahme nach den jüngsten Rückschlägen?

Herzog: "Das Match in Wien ist ganz klar das Spiel der letzten Chance für uns. Wir haben im September eine gute Ausgangsposition verhaut (Anm.: Heim-1:1 gegen Nordmazedonien, Auswärts-2:3 gegen Slowenien, daher drei Zähler Rückstand auf Platz zwei), es wären deutlich mehr Punkte drin gewesen als nur der eine. Es schaut so aus, dass wir die letzten vier Partien gewinnen müssen, wenn wir uns qualifizieren wollen. Das ist schwierig, aber nicht unmöglich. Wir wollen jetzt die bestmöglichen Resultate holen, und wenn es nicht klappt, haben wir vielleicht noch die Nations League als Hintertür."

Ihr emotionales Interview unmittelbar nach der Last-Minute-Niederlage in Slowenien hat in Österreich große Bekanntheit erlangt. Wie ist es in Israel aufgenommen worden?

Herzog: "Im Großen und Ganzen positiv. Ich wollte ja gar nicht emotional werden, sondern nur dagegen ankämpfen, dass gesagt wird, wir haben eh das beste Auswärtsspiel seit 20 Jahren abgeliefert. Das hat uns aber nichts gebracht, wir haben verloren. Wir haben den Slowenen den Gefallen getan, dass sie uns im Finish daheim auskontern konnten."

Im Gegensatz zum Slowenien-Match hat aus israelischer Sicht beim 4:2-Heimsieg gegen Österreich im März alles wie geschmiert funktioniert. Wie groß ist die Hoffnung auf eine neuerliche Überraschung?

Herzog: "Wir sind spielstark und jederzeit in der Lage, Tore zu schießen. Wir hatten aber gegen Österreich einen super Spielverlauf, so einen brauchen wir auch in Wien, so realistisch muss man sein. Österreich hat meiner Meinung nach die stärkste Mannschaft in dieser Gruppe, auch wenn Polen Erster ist."

Das heißt, Sie glauben an eine EM-Teilnahme Österreichs?

Herzog: "Die Mannschaft hat nach den beiden Niederlagen zum Auftakt Charakter bewiesen und ist von Franco Foda wieder in die richtige Spur gebracht worden. Doch es wird schon schwierig, weil sie noch nach Slowenien müssen."

In Ihrer Mannschaft stehen viele Profis wie zum Beispiel Munas Dabbur, denen die Spielpraxis fehlt. Wie gehen Sie mit diesem Problem um?

Herzog: "Das ist für mich nichts Neues. Die Situation ist nicht ideal, wir müssen eben das Beste daraus machen. Für Dabbur ist es nicht leicht, ein Torjäger braucht Selbstvertrauen."

Dafür haben Sie einen Stürmer mit viel Selbstvertrauen aus der österreichischen Liga im Kader - welche Rolle haben Sie Shon Weissman zugedacht?

Herzog: "Er ist ein junger, aufstrebender Stürmer, der momentan einen super Lauf hat. Er gibt mir eine zusätzliche Alternative zu meinen erfahrenen Stürmern. Eigentlich ist er eine untypische israelische Spitze mit hohem Laufpensum, Anpressen, in die Tiefe Gehen. In Slowenien hat er seine Sache sehr gut gemacht."

Auch Ihre Arbeit wird in Israel positiv beurteilt. Wie stehen die Chancen, dass Sie in Israel bleiben, selbst wenn es nicht zu einer EM-Teilnahme reicht?

Herzog: "Priorität hat jetzt, Punkte zu holen, nicht mein Vertrag. Wir haben eine gute Entwicklung gemacht, doch es hilft nichts, schön zu spielen und nicht zu punkten."

Wie bewerten Sie Ihre eigen Entwicklung als Trainer seit Ihrem Amtsantritt in Israel?

Herzog: "Ich habe mir durch meine Arbeit hier einen besseren Namen gemacht und ich denke, dass sich einige Spieler unter meiner Führung richtig gut weiterentwickelt haben. Der nächste Schritt wäre gewesen, dass diese Spieler ins Ausland wechseln. Das ist leider nicht passiert, weil der israelische Fußball im Ausland nicht so beachtet wird, wobei einige sicher die Qualität hätten, in einer guten Liga mitzuspielen."

(APA)