Zinsen

Deutscher Volkswirt erwartet positive Zinsen frühestens ab 2025

FILE PHOTO: Sign of the European Central Bank (ECB) is seen ahead of a news conference on the outcome of the Governing Council meeting, outside the ECB headquarters in Frankfurt
EZBREUTERS

Nach Einschätzung von DekaBank-Chefvolkswirt Kater müssen sich die Sparer noch weiter auf niedrige Zinsen einstellen.

Sparer müssen sich weiter auf niedrige Zinsen einstellen. Die Europäischen Zentralbank (EZB) könnte nach Einschätzung von DekaBank-Chefvolkswirt Ulrich Kater die Zinsen im besten Szenario ab Anfang 2025 anheben, wenn die Konjunktur ab dem kommenden Jahr wieder besser läuft. Ab Herbst 2025 könnte es dann wieder positive Zinsen geben.

Dies werde im besten Szenario der Fall sein, auch für die Sparer. In diesem Fall würde nach einer Schwächephase die Konjunktur im kommenden Jahr wieder anziehen, die Auslastung steigen. Über höhere Lohne könnten auch die Inflationserwartungen anziehen. Dann warte man noch ein bis zwei Jahre und die EZB werde sagen, dass ihre Medizin endlich wirkt und man sie auch ein bisschen absetzen könne. Die Normalisierung müsste ganz langsam erfolgen, das hätten die Amerikaner vorgemacht, so Kater am Dienstag bei einer Veranstaltung der Generali in Wien. Dann könne man dies auch bei hoher Verschuldung machen, denn das Zinsniveau würde sich nicht automatisch sofort auswirken, es dauere einige Zeit bis neue Anleihen mit höheren Zinsen emittiert werden.

Der Start könnte 2023/24 mit einem Zurückfahren des EZB-Anleihenkaufprogramms erfolgen, eine Zinserhöhung sei dann frühestens 2025 vorstellbar. Aber es werde wohl nicht weit gehen, denn die erste Zinserhöhung könnte möglicherweise von minus 0,5 Prozent auf minus 0,3 gehen. Ab Herbst 2025 könnte dann ein positiver Zinssatz wieder erreicht sein. Sollte die Konjunkturerholung doch schwächer ausfallen, konnte es noch länger dauern. Die Kunden müsste man auf niedrige Verzinsungen einstimmen.

Überprüfung der Geldpolitik in Ära Lagarde

Künftig würde sich Kater von der EZB neben einer besseren Kommunikation die Einläutung einer Debatte über die Möglichkeiten der Geldpolitik wünschen. Unter der neuen EZB-Chefin Christine Lagarde werde die Geldpolitik wohl eher abwartend sein. Es könnte sich das "immer schneller, immer weiter" verändern und zu einem Beginn der Überprüfung der Geldpolitik kommen.

Auch die Finanzpolitik könne vieles, es stelle sich dabei aber die Frage der Nachhaltigkeit. Zu erwartende Fehler von der Infrastruktur bis zur Altersvorsorge könne nur der Staat lösen. Die Verschuldung sei ein geringes Problem, solange Notenbanken die Anleihen aufkaufen. Die Verschuldung sollte aber auch nicht überbordend sein, es sei nicht zu erwarten, das es in Europa eine so extrem hohe Verschuldung gebe wie etwa in Japan.

Die Europäer müssten sich Gedanken machen über das Modell Europa. Es müsste ein Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten geben, Projekte definiert werden, wo Nationalstaaten begrenzt Souveränität abgeben und es werde aus heutiger Sicht auch mehr Geld beinhalten ohne eine Gesamtvergemeinschaftung durchzuführen. Es werde in unterschiedlichen Politikbereichen unterschiedliche Integrationsmodelle haben und es werde sehr komplex werden.

Deutsche Industrie mit Strukturproblem

Zum Brexit sagte Kater, er glaube nicht, dass dieser abgeblasen werde. Die deutsche Industrie sei in der Rezession, insgesamt stagniere die deutsche Wirtschaft. Die Industrie in Deutschland blicke auf die beste Dekade seit langer Zeit zurück, befinde sich aber nun in der längsten Rezession seit der Wiedervereinigung. Sie habe aber ein strukturelles Problem.

Kritik an der EZB wie etwa in Deutschland gebe es beispielsweise, dass die Sparkultur kaputtgemacht werde und die Ungleichheit steige. Die EZB betone unter anderem, dass der Zins exogen sei und sie einen gesetzlichen Auftrag habe. Ein Abgehen von 2-Prozent-Inflationsziel könnte sich über in Richtung Deflation sinkende Inflationserwartungen auf das Wachstum auswirken, Altersvorsorge brauche Wachstum.

(APA)