Kino

Ein gespaltener Terminator

Linda Hamilton als Action-Oma Sarah Connor in „Terminator: Dark Fate“: Ein bisschen lächerlich, keine Frage – aber nicht lächerlicher als Action-Opa Schwarzenegger. Von der Bedrohlichkeit seiner Achtzigerjahre-Glanzrolle ist wenig übrig.
Linda Hamilton als Action-Oma Sarah Connor in „Terminator: Dark Fate“: Ein bisschen lächerlich, keine Frage – aber nicht lächerlicher als Action-Opa Schwarzenegger. Von der Bedrohlichkeit seiner Achtzigerjahre-Glanzrolle ist wenig übrig.(c) Twentieth Century Fox

Zum sechsten Mal schickt Hollywood den Terminator auf die Leinwand, diesmal als netten Arnie von nebenan. Der Film will es allen recht machen – und scheitert nicht ganz.

Der Blockbuster von heute hat es schwer. Allen muss er es recht machen: risikoaversen Produzenten, pedantischen Internetkritikern, sensiblen Sittenwächtern, dem Massengeschmack – und Fans jener Pop-Phänomene, aus deren kulturellem Kapital er seine Werbewirkung schöpft. Können da noch Großfilme entstehen, die wie aus einem Guss wirken?

Kaum. Stattdessen muten Hollywoods dicke Brummer immer öfter an wie absichtsvolle Stückwerke, deren Einzelteile mehr wiegen als ihre Summe. Das Resultat ist als eigenartiger Hochbudget-Hybride oft weder Fisch noch Fleisch. So auch „Terminator: Dark Fate“. Wobei der sechste Teil der Actionfilm-Reihe über zeitreisende Killerroboter im Kontext dessen, was die vollautomatisierte Gegenwartstraumfabrik üblicherweise vom Stapel lässt, noch zum Spannenderen zählt. Durchwegs gelungen ist seine Mischkulanz aus Alt und Neu nicht – aber auch nicht ganz gescheitert.

Die letzten drei Teile (also jene mit Digital-Arnie, Christian Bale und Claire Danes) ignoriert „Dark Fate“ geflissentlich. Und versucht, direkt an „Terminator 2“, James Camerons Klassiker aus dem Jahr 1991, anzuschließen. Auch 27 Jahre nach dem „Tag der Abrechnung“ wird die Jugend gefährdet – nur nicht im suburbanen Los Angeles, sondern in Mexiko, wo Teenager Dani (Natalia Reyes) ein unaufgeregtes Leben führt. Bis ein gemeingefährlicher Gestaltwandler (Gabriel Luna, gleichsam das Upgrade des silbrigen Flüssigmetallmeuchlers T-1000 aus Teil zwei) aus der Zukunft in den Hinterhof purzelt und kurzerhand ihre Familie terminiert.

Ein Glück, dass die Rebellion, die sich in bevorstehenden Zeiten gegen eine übermächtige künstliche Intelligenz zur Wehr setzt, immer gleich jemanden nachschickt, um das Schlimmste zu verhindern. Diesmal keine Maschine, sondern eine Cyborg-Soldatin (Serienstar Mackenzie Davis), die menschliches Mitgefühl nicht erst erlernen muss. Allein ist der böse Bot aber auch ihr zu viel: In einer Hommage an die berühmteste Actionsequenz aus „Terminator 2“ brettert dieser seinem Zielobjekt mit einem Bulldozer hinterher, sämtliche Hindernisse rücksichtslos niederwalzend.

 

„I Won't Be Back“

Das verlangt schweres Geschütz. Auftritt Sarah Connor (Linda Hamilton): Plötzlich steht sie da, die abgebrühte Action-Oma. Mit Sonnenbrille und in Kampfmontur pumpt sie ohne viel Federlesens Blei ins Gehäuse des Blechschurken. Ein bisschen lächerlich, keine Frage. Aber im Grunde nicht lächerlicher als die Action-Opas Schwarzenegger und Stallone. Und letztlich genauso sympathisch.

Das Protagonistinnen-Dreigespann, das ein wenig an den Generationen-Schulterschluss aus dem letzten „Halloween“-Remake erinnert, flüchtet in einer Art Umkehrung der Stoßrichtung von „Terminator 2“ in die USA. Der Weg dorthin, inszeniert von „Deadpool“-Regisseur Tim Miller, ist in mehrfacher Hinsicht zwiespältig: Er schwankt zwischen altmodischem Analogkrawall und digitalem Effektgewitter, der Formung neuer Figuren und der Würdigung Altvorderer, Anspielungen auf die Ursprungsfilme und Modernisierung.

Sein Subtext ist unmissverständlich: Es geht um Automatisierung (fies!), um illegale Migration (abgesehen von Schleppern nachvollziehbar!), nicht zuletzt um Klimawandel: Eine apokalyptische Zukunft, die nur durch entschlossene Gegenwartstaten abgewendet werden kann, hat heute andere Bedeutungen als in den 1990ern. Dieser Diskursballast hängt nicht immer passgenau am altgedienten „Terminator“-Gerüst: Wie die schwarze Stahlschleimhaut des neuen Killermaschinenmodells droht er sich immer wieder vom formgebenden Erzählskelett zu lösen.

Dafür scheinen die Themen wie zugeschnitten auf jemanden, der hier freilich nicht fehlen darf: Schwarzenegger selbst. In dieser Neuauflage bleibt nichts von der mechanischen Bedrohlichkeit seiner Achtziger-Glanzrolle. Passend zum aktuellen Image des Steirermans gibt er hier einfach den netten Arnie von nebenan, einen selbstironischen Öko-Republikaner mit Liebe im Eisenherzen und Waffenarsenal in der Garage. Nicht uncharmant – aber auch nicht frei von der Anmutung einer Fan-Erwartung, die bedient werden muss. Immerhin macht er gegen Ende eines klar: „I won't be back.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2019)