"Heimkehrerin" Brem und der Blick ins Ungewisse

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Eva-Maria Brem hat vergangenen Winter wieder einmal den Anschluss gefunden und vor der Samstag startenden Saison einen Markenwechsel vorgenommen. Den letzten ihrer Karriere, ist Österreichs letzte RTL-Siegerin überzeugt.

Eva-Maria Brem hat vergangenen Winter wieder einmal den Anschluss gefunden und vor der anstehenden Weltcup-Saison einen Skimarkenwechsel vorgenommen. Den letzten ihrer Karriere, ist Österreichs letzte Siegerin in einem Weltcup-Riesentorlauf überzeugt. Nach dem verletzungsbedingten Aus von Stephanie Brunner ist Brem eine ÖSV-Hoffnung am Samstag in Sölden.

"Ja, es ist schon ein bissl eine Heimkehr", sagte Brem, nachdem sie sich wie Teamkollegin Ricarda Haaser im Sommer für Atomic und damit den bisherigen Hirscher-Ausrüster aus Altenmarkt entschieden hatte. "Unterm Strich war es eine Bauchentscheidung", erklärte die Tirolerin. "Nach dem Saisonfinale war klar, dass ich an einem Punkt meiner Karriere bin, dass wenn ich nochmals wechsle, das auch sicher der letzte ist", erklärte Brem. "Ich bin 31, die Jahre sind absehbar. Und mit dieser Firma höre ich auf, mit dieser Firma will ich nochmal was gewinnen."

Brems Ski-Karriere ist stets unterbrochen worden, als es gerade gut zu laufen begann. 2010 erlitt sie einen Schien- und Wadenbeinbruch, der sie Jahre zurückwarf und letztlich auch Starts bei der Heim-WM 2013 und Olympia 2014 verunmöglichte. Doch dann folgten erste Podestplätze und Siege sowie 2016 der Gewinn der Riesentorlauf-Kristallkugel, wofür Brem auch zu Österreichs Sportlerin des Jahres gewählt wurde. Nach einem neuerlichen Schien- und Wadenbeinbruch verpasste sie dann aber die Saison 2016/17 komplett.

Brem ist bewusst, dass sie turbulente Jahre hinter sich hat. Durchgetaucht hat sie auch dank ihres Charakters. "Ich bin keine, die himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt ist. Ich bin nicht laut oder extrem, eher ganz gut in meiner Mitte. Deshalb verfalle auch nicht in Depressionen, wenn es nicht läuft", erklärte Brem, die sich selbst als "sensible" Läuferin beschreibt.

Natürlich gebe es Fahrerinnen, die viel mehr gewonnen hätten als sie, so die Siegerin in drei Weltcup-Riesenslaloms. "Ich habe aber auch diese zwei schweren Verletzungen überstanden und bin immer noch Weltklasse. Andere mussten mit so etwas ihre Karrieren beenden", gibt die Team-Weltmeisterin von 2015 zu bedenken.

Trotz ihrer 31 Jahre ist die Tirolerin willens, nochmals durchzustarten. "Ich bin letztes Jahr wieder an der Weltspitze angekommen. Jetzt geht es darum, den nächsten Schritt nach ganz vorne zu schaffen", hat sie sich vorgenommen. Der Skiwechsel komme da gerade richtig. "Er erzeugt natürlich auch Druck auf mich. Aber wenn der Firmenpartner das gleiche Ziel hat, passt das gut zusammen."

Es brauche aber auch ein wenig Geduld, betonte Brem. "Wenn man einmal Weltklasse war, will man am liebsten sofort wieder dorthin. Oder noch besser gleich gestern als morgen. Aber das kann man sich eben nicht aussuchen", weiß Brem. "Ich kann nichts anderes tun, als jeden Tag den bestmöglichen Job zu machen."

Mit der Frage, ob Sölden zum richtigen Zeitpunkt kommt, setzt sich die Tirolerin gar nicht auseinander. "Die ganze Diskussion ist sinnlos. Sölden ist jedes Jahr zum selben Termin und ich habe noch nie das Gefühl gehabt, dafür richtig bereit zu sein", hat sie ihre Antwort auf die ewige gleiche Frage zum Oktober-Saisonstart auf dem Gletscher parat. "Es ist auch gut, einen Punkt zu haben, an dem es los geht."

Happy ist Brem über den neuen ÖSV-Damenchef Christian Mitter. "Ich habe ihn schon geschätzt, als er noch in Norwegen war. Jetzt bin ich froh, dass er bei uns ist, denn ich respektiere ihn als Mensch und Trainer", freut sie sich nach einem "brutal offenen Gespräch über den Sport an sich und wie man Ziele erreichen kann" auf die Zusammenarbeit. "Es ist cool, dass man mit Leuten zusammenarbeiten kann, die man gut findet."

Nachdem Stephanie Brunner und Elisabeth Kappaurer verletzt fehlen und Anna Veith für Sölden noch nicht bereit ist, ist Brem beim Saisonstart hinter Haaser und Katharina Liensberger drittbeste Österreicherin in der Startliste. Brems Sieg am 7. März in Jasna 2016 ist bis heute der letzte einer ÖSV-Läuferin in einem Weltcup-Riesentorlauf. Punkto Trainer gibt es dafür in Brems Trainingsgruppe gleich doppelt frischen Wind. Denn Henrik Kristoffersens langjähriger Technikcoach Stefan Kornberger hat Norwegen schon vergangenen Winter den Rücken gekehrt und ist jetzt Co-Trainer der ÖSV-Riesentorlauf-Damen.