Zeitumstellung

EU-Kommissar Oettinger: "Wäre nicht traurig, wenn es mit der Abschaffung nicht klappt"

"Es droht ein Flickenteppich in Europa", ist Oettinger überzeugt.APA/EPA/OLIVIER HOSLET

Aufgrund der geringen Wahlbeteiligung solle man das Ergebnis der EU-weiten Umfrage „nicht zu ernst zu nehmen“.

Der scheidende EU-Budgetkommissar Günther Oettinger hat sich gegen die Pläne der Kommission ausgesprochen, die Zeitumstellung in der EU abzuschaffen. "Ich persönlich wäre nicht traurig, wenn es mit der Abschaffung der Zeitumstellung nicht klappt", sagte Oettinger der Düsseldorfer "Rheinischen Post".

Zwar habe er den Vorschlag als EU-Kommissar mitgetragen. "Aber es droht ein Flickenteppich in Europa, der erhebliche Probleme mit sich brächte", warnte der deutsche Politiker. Der europäische Binnenmarkt sei auf eine Zeitzone getaktet, sagte Oettinger. Er warnte zudem vor negativen Auswirkungen auf den Alltag der Menschen. "Unsere Kinder würden einen wesentlichen Teil des Jahres im Dunkeln zur Schule gehen, wenn Deutschland die Sommerzeit dauerhaft einführen würde."

In einer EU-weiten Online-Umfrage hatten sich 4,6 Millionen EU-Bürger mit einer Mehrheit von 84 Prozent für eine Abschaffung der Zeitumstellung ausgesprochen. Oettinger zog die Aussagekraft des Votums wegen der geringen Wahlbeteiligung in Zweifel. "Gemessen an der Zahl der Wahlberechtigten waren 4,6 Millionen Stimmen nicht viel. Vor diesem Hintergrund sollte man das Votum nicht zu ernst nehmen und auch die Gegenargumente genau prüfen", sagte Oettinger. "Ich begrüße es, dass die Mitgliedsstaaten das tun."

In der Nacht auf Sonntag endet die Sommerzeit. Um 03.00 Uhr in der Früh werden die Uhren um eine Stunde von der bisherigen mitteleuropäischen Sommerzeit (MESZ) auf die mitteleuropäische Zeit (MEZ) zurückgestellt. Die Nacht verlängert sich damit um eine Stunde.

Nach dem Willen von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sollte die Uhr heuer eigentlich zum letzten Mal umgestellt werden. Sein Zeitplan erwies sich aber als zu ehrgeizig. Die EU-Mitgliedstaaten konnten sich bisher nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen.

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