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Zahlungsdienstleister

Wirecard kauft eigene Aktien zurück

(c) REUTERS (Michael Dalder)

Firmenchef Braun weist Bilanzfälschungsvorwürfe zurück.

Aschheim. Zwei Faktoren waren es, die am Montag der Aktie des deutschen Zahlungsdienstleisters Wirecard Flügel verliehen: Heute, Dienstag, startet das angekündigte Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 200 Mio. Euro. Und bevor am Mittwoch die Zahlen für das dritte Quartal veröffentlicht werden, hat Wirecard-Chef Markus Braun dem „Handelsblatt“ ein Interview gegeben, um das nach dem neuerlichen „Financial Times“-Bericht angeschlagene Vertrauen bei den Anlegern wiederherzustellen.

„Die Darstellungen in der ,FT‘ sind falsch“, bekräftigte Braun frühere Aussagen. „Wir haben nach Erscheinen des Artikels die dort erwähnten Sachverhalte vorsichtshalber noch einmal überprüft, insbesondere den Vorwurf, dass Umsätze nicht richtig verbucht wurden“, sagte Braun. „Wir sind in die Substanz der Rechnungslegung gegangen und haben diese für 2016, 2017 und 2018 überprüft. Mit dem Ergebnis, dass alle Umsätze korrekt verbucht wurden und alle Geschäftsbeziehungen authentisch sind.“

Seit geraumer Zeit veröffentlicht die Londoner Zeitung kritische Berichte zu dem Finanztechnologiekonzern aus Aschheim bei München, die den Aktienkurs immer wieder unter Druck bringen. Ende Jänner hatte das Blatt Untersuchungen bei einer Tochter in Singapur öffentlich gemacht. Auch damals hatte Wirecard-Chef Braun, der mit sieben Prozent das größte Aktienpaket an der Firma hält, die Berichterstattung als falsch zurückgewiesen. Letztlich musste das Unternehmen nach einer Prüfung durch eine Anwaltskanzlei einräumen, dass in geringem Umfang Umsätze falsch verbucht wurden. Die neuen Vorwürfe wollte Braun nicht im Detail kommentieren: „Meine Aufgabe ist es, das offizielle Reporting zu kommentieren, nicht irgendwelche Excelsheets, deren Herkunft wir nicht nachvollziehen können.“

Die Wirecard-Aktie hatte im August des Vorjahres bei fast 200 Euro ein Allzeithoch erreicht. Im September wurde sie in den Leitindex DAX aufgenommen. Seitdem hat sie um 39 Prozent nachgegeben. Mit einem Börsenwert von 14,6 Mrd. Euro liegt Wirecard aber nach wie vor vor der Deutschen Bank (14,0 Mrd. Euro). (ag./red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.11.2019)