„Midnight Self-Massacre“

Enge Trump-Mitarbeiter planten offenbar Massenrücktritt

US-Präsident Donald Trump hat Kritiker bis in die obersten Regierungsreihen.APA/AFP/OLIVIER DOULIERY

In einem neuen Buch schreibt ein anonymer Autor über den erratischen Amtsstil von US-Präsident Donald Trump und vergleicht ihn mit einem „Zwölfjährigen in einem Flugsicherungskontrollturm“.

Die politischen Entscheidungen von US-Präsident Donald Trump sind höchst umstritten. Das zeigt nicht nur das von den Demokraten vorangetriebene Amtsenthebungsverfahren aufgrund der Ukraine-Affäre. Auch im engsten Führungskreis, in den eigenen Parteireihen eckt der Republikaner an. Das zeigt ein neues Buch, aus dem US-Medien vorab zitieren. „Warning“ heißt das Werk des anonymen Autors, der sich als hochrangigen Angehörigen der Trump-Regierung beschreibt.

Demnach erwogen Kabinettsmitglieder im zweiten Amtsjahr des Präsidenten einen Massenrücktritt, ein „Midnight Self-Massacre“, um auf seine erratische Amtsführung aufmerksam zu machen. Die Idee sei dann aber nicht in die Tat umgesetzt worden, schreibt der Autor. Aus Angst, der Schritt könnte die Regierung weiter destabilisieren.

Der anonyme Schreiber zeichne in dem Buch ein „abschreckendes Bild des Präsidenten als grausam, inkompetent und Gefahr für die Nation“, schreibt die „Washington Post“. Er vergleicht den Präsidenten mit einem „Zwölfjährigen in einem Flugsicherungskontrollturm“, der die „Knöpfe der Regierung wahllos drückt“ und dabei keinen Wert darauf lege, ob die Flugzeuge „auf dem Rollfeld herumschleudern und Flüge wild vom Flughafen weggeleitet werden“. Zudem soll Trump im Privaten frauenfeindliche und rassistische Kommentare von sich geben.

Weißes Haus nennt Autor einen „Feigling“

Der Autor, der vergangenes Jahr einen kritischen Gastkommentar in der „New York Times“ veröffentlichte, schreibt, dass er Trump anfangs unterstützte, sich aber später vom Präsidenten distanziert habe. Das Fass zum Überlaufen gebracht habe, als Trump aus persönlichem Groll verhindern wollte, dass die US-Flagge auf dem Weißen Haus für den verstorbenen, republikanischen Senator John McCain auf Halbmast gesetzt werde. Damals hätten die „Erwachsenen im Raum“, dazu zählten unter anderem der Ex-Außenminister Rex Tillerson oder Ex-Verteidigungsminister James Mattis, den gemeinsamen Rücktritt erwogen.

Auch warum er anonym bleiben wolle, begründet der Verfasser des Buches. Er wolle nicht vom Präsidenten und den großen Inhalten ablenken. Es gehe in der Debatte schließlich nicht um ihn, schreibt er. „Es geht darum, wie eine Präsidentschaft unser Land widerspiegelt. (...) Manche werden das 'Feigheit' nennen. Meine Gefühle werden durch diesen Vorwurf nicht verletzt.“ Er sei dazu bereit, Trump in der Zukunft auch persönlich zu kritisieren.

Gerade diese Anschuldigung aber erhebt das Weiße Haus. „Der Feigling, der dieses Buch geschrieben hat, setzte seinen Namen nicht darauf, weil es aus nichts als Lügen besteht“, sagte Sprecherin Stephanie Grisham am Donnerstag. Das Buch sei reine Fiktion.

(me)