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Walk of Häme

Im selben Boot im Flugzeug sitzen

(c) APA/dpa/Frank Rumpenhorst (Frank Rumpenhorst)

Oder: Warum neue Boardingregeln an den wirklichen Problemen vorbeigehen.

Das mit dem Fliegen ist so eine Sache: Den schönen Planeten macht es kaputt, gleichzeitig hat man ohne Flugzeug kaum die Chance irgendetwas ein wenig weiter Entfernteres zu sehen auf diesem schönen Planeten. Gut, Greta Thunberg hat das Schiff wieder zurück ins Spiel gebracht, aber ganz abgesehen von der Zeitproblematik, wenn alle, die momentan fliegen, dann booteln, geht sich das für die Umwelt ziemlich sicher wieder nicht aus. Bleibt also vorerst nur die eine Möglichkeit, mit gutem Gewissen die Umgebung zu erkunden: das Fahrrad.

Für alle, die das Gewissen weniger drückt als ihr Fernweh, haben sich Fluglinien nun neue Boardingregeln ausgedacht. Demnach sollen zuerst diejenigen einsteigen, die am Fenster sitzen, danach die Mittelplätze befüllt werden und erst zuallerletzt die Gangsitzer Platz nehmen. Das soll angeblich alles in allem um ein paar Minuten schneller gehen, aber in erster Linie das aus Theater und Kino leidlich bekannte „Darf ich bitte...?!?“-Spiel zwischen bereits Sitzenden und allen später Hinzukommenden vermindern.

Dabei werden aber die eigentlichen Probleme des von Natur aus höchst unerfreulichen Phänomens des Boardens nicht angegangen: egal, ob man früh oder spät ins Flugzeug kommt, ob man Business fliegt oder auf einem Notsitz neben dem Klo untergebracht ist, ob man eine platinerne Vielfliegerkarte sein Eigen nennt oder zum ersten Mal in eine Maschine steigt: Erst wenn der letzte Passagier im Flugzeug sitzt, kann es – bestenfalls – losgehen. Insofern sitzen auch in einem Flugzeug alle im selben Boot.

Ob man da zum Beispiel mit Kindern nicht lieber als allerletzter an Bord geht, statt zusätzlich zur Flugzeit noch unerquickliche Bodenmomente im Flugzeug verbringt, ist doch eher eine Geschmacksfrage. Auch das Phänomen des Busboardings wurde mit der neuen Einsteigeregel nicht angegangen. Dass nämlich selbst auf Kleinstflughäfen alle Passagiere mit mehreren Busladungen zum oft kaum hundert Meter entfernten Flugzeug gebracht werden, statt einfach hingehen zu dürfen. Ein- und Ausstiegschaos samt nochmaliger Wartezeit inklusive. Das verbessert weder die CO2-Bilanz noch die Laune.

Noch etwas anderes: Gibt es auch in neuen Flugzeugen noch das No Smoking-Schild? Und warum?

florian.asamer@diepresse.com


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2019)